Heute startet James Gunns „The Suicide Squad“ in den Kinos. Für den Marvel-erprobten Regisseur („Guardians of the Galaxy“) ist es ein Ausflug zum Konkurrenten DC, doch in ein gewohntes Genre: Den Superheldenfilm. An dieser Art von Filmen hatte Regieikone Martin Scorsese in mehreren Aussagen im Jahr 2019 Kritik geübt, die er in einem längeren Essay konkretisierte: Es gehe ihm um das Kino und Film als Kunstform, was er durch „Freizeitpark“-Filme wie jene des MCU gefährdet sehe, da sie auf Effekte und Reizüberflutung setzen, anstatt dem Publikum etwas über das Mensch-Sein zu erzählen (frei zusammengefasst).

Jeder halbwegs Filmgebildetet wusste, was damit gemeint war, viele stimmten Scorsese in seiner Kritik zu, andere wiegelten ab oder bemühten sich um Differenzierung: Laut zu widersprechen traute sich dem größten, lebenden US-Regisseur keiner. Auch nicht James Gunn, der sich damals zwar enttäuscht zeigte, aber sonst wenig zu sagen hatte.

Nun, knapp vor der Veröffentlichung seines eigenen Films, lässt der verhaltensauffällige Regisseur aufhorchen: Nach 2 Jahren Stille nimmt er zu den Aussagen Scorseses in einem MTV-Podcats Stellung. Er wirft Scorsese vor, mit seinen Äußerungen 2019 nur Aufmerksamkeit für die Veröffentlichung seines Films „Irishman“ gewollt zu haben, der sonst keinen interessiert und Scorsese keine Presse beschert hätte. Im Detail klingt das so: „It just seems awfully cynical that he kept coming out against Marvel, and that’s the only thing that would get him press for his movie, so then he just kept coming out against Marvel so that he could get press for his movie. He’s creating his movie in the shadow of the Marvel films, and so he uses that to get attention for something he wasn’t getting as much attention as he wanted for it.”

Der Ironie scheint sich Gunn nicht ganz bewusst zu sein, dass er nun ausgerechnet zum Release seines neuen Streifens gegen Scorsese vom Leder zieht – wissend, dass ihm das in der Branche maximale Aufmerksamkeit garantiert. Ist es ihm bewusst, hält er das Publikum für dumm, was wiederum ziemlich zynisch wäre. (ck)

Bild: Fotomontage