„Geschichten eines Jungen, einer Frau und eines Soldaten“ war als einer der Kurzfilmbeiträge bei der diesjährigen Diagonale zu sehen. In Form einer Fotomontage fügt Franziska Pflaum einzelne, lose Szenen zu einer Geschichte zusammen. Im Zentrum des Films stehen die Auswirkungen des Krieges auf verschiedene Personen, wobei die Geschichte aus der Sicht von drei Protagonisten erzählt wird. Matthias ist ein deutscher Soldat, der in Afghanistan gedient hat und nach seiner Rückkehr Schwierigkeiten hat, das Erlebte hinter sich zu lassen. Seine Mutter Stefanie ist Hausmeisterin an der Akademie der Künste und versucht indessen verzweifelt, zu ihrem Sohn durchzudringen. Der junge Reza hat in einer Bombenexplosion seine Eltern verloren und ist daraufhin von Afghanistan nach Deutschland geflohen.

von Lena Wasserburger

Im Laufe des Films werden die Beziehungen der Protagonisten zueinander enthüllt, ihre Geschichten sind eng miteinander verwoben, doch erst nach und nach erfährt das Publikum, was hinter diesen Verbindungen steckt. Die Geschichte wird in Form eines Fotofilms erzählt. Die Stimmen der Protagonisten führen als Voice Overs durch den Film. Es stellt sich heraus, dass Matthias, Stefanie und Reza ihre Hintergrundgeschichten im Zuge eines Interviews einer Filmregisseurin anvertrauen. Die Hintergründe dieser Interviewsituation werden allerdings nicht erläutert, vielmehr scheint es so, als würden die Szenen dem Zweck dienen, die Protagonisten, zunächst als Fremde, alle in einem Raum zu versammeln, um zunehmend mehr über die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen ihnen zu verraten.

„Geschichten eines Jungen, einer Frau und eines Soldaten“ bedient sich einer Storytelling-Technik, die wohl eher ungewöhnlich ist und vermutlich, wäre es kein Kurzfilm, kaum auf dieselbe Art und Weise gut funktionieren würde. Da die Szenen zunächst zusammenhanglos erscheinen, ist es stellenweise durchaus schwierig, der Handlung des Films aufmerksam zu folgen. Die Geschichte in Form von einzelnen Bildern zu erzählen bedeutet zwar einerseits, dass jede Aufnahme besonders wirkungsvoll ist und mehr Gewicht trägt, jedoch erfordert es auch mehr Geduld vonseiten des Publikums, da sich Szenen insgesamt langsamer entfalten und weniger tatsächliche Handlung beinhalten. Im diesem Kontext ist dies allerdings ein wenig schade, da das Thema, wie auch die Geschichte, großes Potenzial haben, der Film allerdings nur an der Oberfläche kratzt.

Fazit

Kriegstraumata mithilfe eines Fotofilms darzustellen, ist ein interessantes Konzept, das auch im Rahmen eines Kurzfilms funktionieren kann. Jedoch wirkt es in diesem Fall so, als hätten die einzelnen Protagonisten noch viel mehr zu erzählen gehabt und die Geschichte eine noch tiefere Auseinandersetzung mit Krieg und dessen Folgen sein können.

Bewertung

45/100

Bild: © Franziska Pflaum/Amerikafilm