Santa Claus (David Harbour) hat eigentlich schon vor dem 24. genug von Weihnachten: In einer Bar sinniert er betrunken über die Sinnlosigkeit dieses Festes und der jährlichen Geschenkeverteilung, denn nicht einmal die Kinder würden inzwischen noch ihre Präsente zu schätzen wissen. Dass das an diesem Abend seine geringste Sorge sein wird, weiß er da noch nicht. Denn nach dem Schornsteineinstieg im Anwesen der reichen Familie Lightstone, die gerade ihr wie gewohnt dysfunktionales Familienfest abhält, gerät Santa einer Einbrecherbande in die Quere, die den scheinbar prall gefüllten Safe der Lightstones leeren will. Während die Familie im Wohnzimmer vom Anführer Jimmy „Scrooge“ Martinez festgehalten wird, kämpft Santa in bester John McClane-Manier gegen die gewalttätigen Festtagsverderber, um nicht nur die Familie Lightstone zu retten, sondern auch gleich Weihnachten an sich.

von Christian Klosz

„Violent Night“ lässt sich gut als Mischung zwischen „Kevin – Allein zu Haus“ und den „Stirb Langsam“-Filmen beschreiben. Das ist nicht nur aufgrund des Settings und der Handlung naheliegend, beide Filme werden gleich mehrfach – und nicht auf schlechteste Art und Weise – zitiert. Die Slapstickeinlagen im letzten Drittel, bei denen Lightstone-Tochter Trudy einigen Einbrechern das Leben zur Hölle macht, orientieren sich exakt am Finale von „Kevin“, addieren einiges an Gewalt und Brutalität – und gehören zum Besten, dass „Violent Night“ zu bieten hat.

Den Rest der Laufzeit ist es eine halbwegs solide Actionkomödie, die sich zu oft in sinnlosen Gewaltorgien ergeht, als nötig und gut ist. Die Handlung bleibt da auf der Strecke wenn wir dabei zusehen, wie Santa, plötzlich Actionheld, sich in mehreren minutenlangen bis gefühlt endlosen Sequenzen durch die Gegend metzelt. In der Umsetzung ist das manchmal ganz lustig, in der Masse aber bisweilen ermüdend.

„Violent Night“ verlässt sich etwas zu sehr auf seine Grundidee: Santa Claus wird wider Willen zum blutigen Rächer. Denn so genial diese zwar sein mag – für einen knapp 2-stündigen Film reicht sie nicht aus. Er ist ein offensichtliche Hommage an vorher genannte Vorbilder. Und ist manchmal zu sehr von sich und seinem „Gimmick“ des Santa-Rächers überzeugt. So werden manche andere Aspekte vernachlässigt, sei es in Form der doch recht oberflächlich entworfenen Figuren, an manchen Stellen des Dialogs oder durch unglaubwürdige Drehbuchentscheidungen.

Hervorzuheben ist aber jedenfalls David Harbour, der als grantiger, entnervter und saufender Santa Claus-Antiheld, der am Ende widerwillig doch für „das Gute“ kämpfen muss, eine überzeugende Leistung abliefert. Man muss davon ausgehen, dass die Produzenten hinter dem Streifen (87 North), die auch für „Nobody“ und „John Wick“ verantwortlich zeichnen, es darauf anlegen, mit dem Harbour-Santa eine neue „Kultfigur“ zu etablieren, die sich dann in mehreren Fortsetzungen zu Geld machen lässt. Die Figur hat fraglos das Potential dazu – der Film als solcher ist insgesamt aber einfach zu mittelmäßig, als dass eine Fortsetzung gerechtfertigt wäre. Entscheiden werden darüber am Ende aber natürlich die Einnahmen. Und angesichts eines auch sonst nicht gerade begeisternden Kinoprogramms könnte „Violent Night“ durchaus zum Kassenschlager werden.

Fazit:

Grandiose Idee, leider nur mittelmäßig umgesetzt: David Harbour überzeugt in dieser Weihnachtsklassiker-Hommage als blutiger Santa, der Weihnachten retten muss. Während seine Figur Kultpotential hat, findet sich in der etwas zu langen Laufzeit zu viel sinnlose und ermüdende Gewalt und zu wenig Einfallsloskraft beim Drehbuch. Wer im Kino aber einfach den Kopf ausschalten will, wird an „Violent Night“ wohl Gefallen finden. Seit 1.12. im Kino

Bewertung:

Bewertung: 5 von 10.

(50/100)

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Bilder: © UPI