The Maestro left the building: Zwei Jahre nach seinem Tod wird dem weltberühmten Komponisten Ennio Morricone mit dieser Dokumentation ein filmisches Denkmal gesetzt. In über zweieinhalb Stunden durchläuft „Ennio Morricone – Der Maestro“ die gesamte Karriere des italienischen Komponisten. Angefangen von seiner Trompetenausbildung in der Schule, über seine ersten Arrangements italienischer Schlager bis hin zu den ikonischen Kompositionen diverser Spagetti-Western. Die sehenswerte Doku ist ab dieser Woche im Kino zu sehen.

von Christoph Brodnjak

Größtenteils kommt hierbei Morricone selbst zu Wort. Er erzählt Anekdoten aus seinem Leben und zu speziellen Filmproduktionen, die ihm besonders in Erinnerung geblieben sind. Erfrischenderweise konzentriert sich der Film nicht ausschließlich auf seine filmische Karriere, sondern verbringt ebenso einige Zeit mit seiner Ausbildung und frühem Werdegang. Auch sein Konflikt mit seinen Zeitgenossen und Lehrmeistern wird aufbereitet. Der Film lullt einen dabei sanft ein, die lange Laufzeit vergeht doch wie im Flug, wenn man zeitweise auch einfach nur der Musik lauschen kann. Nur zu Beginn wirkt alles etwas gehetzt, wenn ein O-Ton den nächsten jagt, um endlich zum wahren Kern der Sache zu kommen: den Film-Soundtracks.

Neben Morricone selbst kommen auch einige andere bekannte Gesichter zu Wort. Unter anderem sehr bekannte, die man vielleicht erwarten würde, wie ein Quentin Tarantino, Clint Eastwood oder Archivmaterial von Sergio Leone. Aber eben nicht nur. Neben den „offensichtlichsten“ Personen sprechen auch seine Zeitgenossen, italienische Komponisten und Musiker über ihre Erinnerungen. Im Fokus steht dabei immer sein künstlerisches Schaffen, Facetten aus dem Privatleben werden eher beiläufig eingeflochten als direkt aufgegriffen. Der Mensch Ennio Morricone scheint natürlich immer zwischen den Zeilen durch.

„Ennio Morricone – Der Maestro“ ist sehr zurückhaltend, was die Ausschlachtung der ikonischsten Filme und Musikstücke betrifft. Die Titelmusik von „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder „The Good, the Bad and the Ugly“ sind natürlich vertreten, aber daneben auch einige andere. Dem Laien war davor vielleicht gar nicht bewusst, wie divers und experimentierfreudig Morricone bei seiner Arbeit war. Dass er immer auch Künstler war, der sich auf verschiedenste Weisen ausprobiert und immer wieder neu erfunden hat. Von den kommerziellen Schlagern der 1960er Jahre, über experimentelle Improvisations-Orchester bis hin zu den orchestralen Kompositionen, die ihm erst ganz gegen Ende seiner Karriere endlich seinen ersten Oscar einbrachten.

Neben den Gesprächen besteht der Film natürlich aus Szenen der besprochenen Filme, aber auch Behind-the-Scenes Material, Fotos und Archivmaterial. Stellenweise hat man immer eine Spur zu wenig Zeit, das Gesehene wirken zu lassen, wenn ein gezeigter Gegenstand nur für einen Moment im Bild zu sehen ist, und schon das nächste Thema folgt. Insbesondere dann, wenn man nicht die synchronisierte Version sieht, sondern sich im Original auch noch auf die Untertitel konzentrieren muss. Sollte man kein Italienisch sprechen, versteht sich.

Fazit

Zwar für ein Künstlerporträt sehr lang, aber dafür nie langwierig, zeichnet die Dokumentation ein abgerundetes Bild des Lebenswerks des Maestros. Zwar konzentriert sich der Film eher auf den Künstler Morricone, dennoch ist er zutiefst menschlich. Egal ob man mit seinem Werk bereits vertraut ist oder nicht, ist „Ennio Morricone – Der Maestro“ ein wunderbarer Ausgangspunkt, tiefer in das Schaffen dieses außergewöhnlichen Komponisten einzutauchen und Neues zu entdecken.

Bewertung

Bewertung: 8 von 10.

(75/100)

Bild: © Filmladen Filmverleih