Gestern Abend war es soweit: Stefan Raab kehrte nach seinem als Boxkampf getarnten PR-Spektakel am letzten Samstag regulär ins Fernsehen zurück. Wobei das nur bedingt stimmt: Denn seine neue Show namens „Du gewinnst hier nicht die Million“ ist (vorerst) nur auf RTL+ zu streamen, wo jeden Mittwoch um 20.10 eine neue Folge hochgeladen wird.

von Christian Klosz

Die erste Ausgabe dauerte rund 90 Minuten, man muss davon ausgehen, dass das auch in Zukunft so sein wird. Raab präsentierte sich wie gewohnt frech, respektlos – und ein bisschen zu sehr von sich selbst überzeugt (wie schon am Samstag). Jeden Auftritt mit seinem eher mittelmäßigen neuen Song „Pa aufs Maul“ zu garnieren ist inzwischen doch etwas nervig.

Nach der kurzen Gesangseinlage zu Beginn begann die erste Ausgabe von „Du gewinnst hier nicht die Million“ mit einem klassischen Raab-Monolog a la TV Total. Der Gastgeber nahm die TV-Ereignisse der letzten Tage und Wochen aufs Korn, das kann man lustig finden oder nicht, aber Unterhaltungswert und „handwerkliches Können“ kann man Stefan Raab nicht absprechen.

Im Stand Up-Segment gab es ein paar Neuerungen: Die berühmten „Nippel“ mit kurzen Videosequenzen wurden durch ein „Meme-Pad“ auf Raabs Smartphone ersetzt, von dem aus der die Kurzvideos aufrufen kann. Und zumindest in der ersten Ausgabe begrüßte der Host keine Gäste. Ansonsten blieb vieles beim Alten, das neue Studio erinnert stark an jenes aus TV Total-Zeiten, auch die Band ist die selbe („Heavy Tones“).

Nach gut einem Drittel der Laufzeit wechselte „Du gewinnst hier nicht die Million“ den Charakter, aus der Satire-Sendung wurde eine Spieleshow, auch das war bereits vorab angekündigt gewesen: In jeder Sendung haben 5 Kandidaten die Chance, 1 Million Euro zu gewinnen. Erst müssen sie in einer allgemeinen Fragerunde gegeneinander antreten, der Sieger oder die Siegerin darf bei Raab Platz nehmen. Dort muss er oder sie weitere Fragen beantworten, nach jeweils 2 richtigen Antworten kommt es zu einem Wettkampf-Spiel gegen den Gastgeber.

Diese Wettkämpfe erinnern stark an jene aus „Schlag den Raab“, nicht von ungefähr, denn die neue Sendung war als weltweit erste „Entertainment-Spiele-Show“ beworben worden. So kann man „Du gewinnst hier nicht die Million“ am besten als Mischung aus „TV Total“ und „Schlag den Raab“ bezeichnen.

Während im Comedy-Segment vieles beim Alten blieb und der Host an bekannte Form anknüpfen konnte, schaute das im Wettkampf-Segment sehr anders aus. Vorweg muss man sagen, dass das Konzept im Grunde nicht schlecht ist, vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber es kann funktionieren. Was nicht funktioniert, ist Raabs körperliche Fitness, wie bereits beim Boxkampf am Samstag litt er unter Atemproblemen und heftiger Kurzatmigkeit. Warum man sich unter solchen Voraussetzungen freiwillig sportlichen Wettkämpfen stellt, bleibt ein Rätsel.

So verlor Raab auch wenig überraschend beide Spiele (der insgesamt 3) gegen die jeweiligen Kandidaten, bei denen es (auch) um körperlichen Einsatz ging: In einem Fall mussten Maschendrahtzäune mit einer Zange durchschnitten werden. Nach der Niederlage saß Raab noch Minuten schnaufend am Desk und wirkte sehr mitgenommen und abwesend. Beim anderen Spiel mussten Autoreifen per Hand gewechselt werden. Moderator Elton witzelte über Raabs heftiges Geschnaufe und seine fehlende Ausdauer, der geriet offenkundig in Panik, beendete das Spiel zwar vor seinem Gegner, ihm unterlief aber ein folgenschwerer Fehler: Eine der Schrauben war nicht festgedreht, so verlor Raab auch dieses Spiel.

-> Weitere Infos zu „Du gewinnst hier nicht die Million“

-> TV-Kritik zum Boxkampf Raab vs. Halmich

Da half es auch nichts, dass der Host danach minutenlang über Elton schimpfte, der „schuld“ an seiner Niederlage gewesen sein soll, weil er ihn, Raab, mit „Falschinformationen“ über seinen Gegner in die Irre geführt hätte. Laut Insider-Berichten soll der Entertainer auch nach Ende der Aufzeichnung hinter den Kulissen seinem Ärger freien Lauf gelassen haben.

Nun gut, verlieren konnte er selten. Man kann sich allerdings – auch in Hinblick auf kommende Ausgaben und möglicherweise geplante, größere Sport-Evens-Shows – fragen, wie das weitergehen soll und wie „konkurrenzfähig“ Raab ist. Immerhin leiden auch Fairness und Spannung darunter.

Fazit

Welches Fazit kann man nun ziehen? Ist Raab Comeback geglückt? Ein vorsichtiges Ja mit Einschränkungen ist die Antwort. Humormäßig kann er es immer noch, sein respektloser und politisch unkorrekter Witz ohne Vorsicht auf Verluste ist vielleicht genau das, was dem deutschen Fernsehen fehlt. Man sollte dann aber überlegen, „Du gewinnst hier nicht die Million“ vielleicht doch auch im linearen TV auszustrahlen. Das Grund-Konzept der Sendung ist etwas Neues, wird sich erst beweisen müssen, kann aber durchaus aufgehen. Offen bleibt die Frage, ob und wie die Spiel- und Wettkampf-Elemente in Zukunft funktionieren werden. Man wird sehen.

Bewertung

Bewertung: 6 von 10.

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Bild: Foto (c) filmpluskritik