Adelmo Fornaciari, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Zucchero, zählt zu den bekanntesten italienischen Musikern – und zu den international erfolgreichsten europäischen Musiker überhaupt (die nicht aus dem UK kommen). Die Doku „Zucchero Sugar Fornaciari“ porträtiert die Persönlichkeit eines Mannes, der den Blues nach Italien brachte und italienische Musik in die Welt, und zeichnet seinen Werdegang anschaulich nach.
von Christian Klosz
Wer die berühmte italienische Reibestimme hört, weiß meist sofort: Das ist Zucchero. Ähnliches sagt auch Sting in „Zucchero Sugar Fornaciari“ über seinen Freund, weist es als Qualität aus, die nur die ganz Großen hätten, nämlich unverkennbar und einzigartig zu sein. Und das ist Zucchero und seine Musik fraglos.
Doch nicht nur Sting darf sprechen: „Zucchero Sugar Fornaciari“ ist ein internationaler Star-Auflauf schlechthin, wie es scheint sind alle Größen der Pop- und Rockmusik mit dem Künstler befreundet und/oder haben bereits mit ihm musiziert: Eben Sting, Bono, Peter Gabriel, Brian May, Eric Clapton, Paul Young und viele mehr erzählen in Interviews von ihren Treffen mit Zucchero, dem Kennenlernen, ihrer Freundschaft und gemeinsamen musikalischen Erlebnissen.
Besonders beeindruckend wird das Ganze, wenn der Meister selbst fast beiläufig erzählt, dass am Anfang seiner Karriere nach einem Konzert plötzlich Eric Clapton vor seiner Tür stand und ihn, Zucchero (und Band), für seine Tournee als Vorband wollte. Oder wie ihn Brian May angerufen habe, der seine Musik zufällig in einem Restaurant gehört hatte und unbedingt mit dem Italiener zusammenarbeiten wollte.
Mehrere Interviewte erzählen, wie „normal“, bodenständig Zucchero trotz des Erfolgs geblieben sei, dass er privat immer noch derselbe, bescheidene Mann wäre wie früher. Man mag es ihnen glauben: Dass der Porträtierte nie „abhob“, mag auch mit seiner bescheidenen Herkunft zu tun haben: Aufgewachsen in der armen italienischen Emilia Romagna am Land, wo es wenig gab, vor allem wenig Perspektive. So war der Erfolg alles andere als vorgezeichnet. Doch recht früh war ihm klar, dass die Musik seine Passion ist, er verliebte sich in den amerikanischen Blues und trat im Teenager-Alter erstmals in einer Band auf. Den Künstlernamen „Zucchero“ übernahm er aus seiner Schulzeit, als Lehrer ihn, weil er so schüchtern und „süß“ gewesen sei, mit dem italienischen Wort für Zucker bezeichneten.
Doch der Erfolg wurde Zucchero nicht geschenkt, denn „mit diesem Gesicht, mit dieser Stimme“ hatte er es gerade Anfang der 80-er schwer, wie er selbst sagt. Mehrfach trat er beim berühmten San Remo-Musikfestival in Italien auf, einmal wurde er Vor-Vorletzter, einmal Vorletzter. Erst durch glückliche Fügungen und Kontakte kam es zu einem Trip nach New Orleans, zu einem ersten Album und dann mit „Rispetto“ 1986 zum Durchbruch – in Italien, danach weltweit. Der unscheinbare Junge aus der Emilia Romagna brachte es zu Weltruhm, brachte den Blues nach Italien und italienische Rockmusik in die Welt.
„Zucchero Sugar Fornaciari“ zeichnet diese absolut nicht erwartbare Weltkarriere nach, über Interviews mit Zucchero selbst, Interviews mit Weggefährten und den oben genannten Musik-Ikonen, Aufnahmen aus dem Studio und von Konzerten. Der Protagonist ist dabei immer ungemein sympathisch, authentisch, greifbar, obwohl er etwas geschafft hat, das kaum anderen europäischen Musikern beschieden war: Internationaler Erfolg und Anerkennung über alle Musikgenres hinweg. Und obwohl er fast immer in seiner Muttersprache Italienisch sang und singt.
Fazit
Den Regisseuren Valentina Zanella und Giangiacomo De Stefano gelingt mit ihrer Doku das Kunststück, sowohl Fans der Künstlers anzusprechen, als auch jene, die mit Zucchero bisher wenig zu tun hatten und vielleicht nur den einen oder anderen Song kennen: „Zucchero Sugar Fornaciari“ ist ein intimes Film-Porträt einer spannenden Künstler-Persönlichkeit geworden, zugleich aber leicht zugänglich. Wie die Musik des Porträtierten selbst, die das Publikum stets über die Emotion und ganz viel Herz erreicht.
Bewertung
(83/100)
Ab nächster Woche im Kino.
Bild: (c) Matteo Girola
