Die Jahrhundertflut letztes Wochenende in Teilen Mitteleuropas brachte mit einem Schlag eines der Themen unserer Zeit zurück ins kollektive Bewusstsein: Den Klimawandel und seinen Einfluss auf das Wetter und Extremwetterereignisse. Während Leugner und Schwurbler – viele von ihnen selbst von dem betroffen, was sie sonst lächerlich machen – plötzlich recht still wurden, stehen Gesellschaft und Politik vor der Aufgabe, kurzfristige und langfristige Lösungen zu finden. An sich liegen sie am Tisch, jemand müsste sie halt umsetzen.
von Christian Klosz
Interessant ist in diesem Kontext, dass Hollywood als Referenz herhalten kann: Schon seit Jahren und Jahrzehnten warnen Filme (und Serien) vor den Folgen des menschgemachten Klimawandels, stellen aber auch die Unfähigkeit von Regierungen und der Bevölkerung dar, nötige Anpassungen vorzunehmen. Entwerfen Katastrophenszenarien und Dystopien darüber, was uns winken könnte, wenn wir nicht handeln. In den letzten Jahren hat sich die Realität der Fiktion immer weiter angenähert.
Während der Klassiker „Soylent Green“ auf dystopische Subversion setzt, der Geheimtipp „Greenland“ auf Emotion und „Don’t Look Up“ auf zynische Satire, kommt Roland Emmerichs inzwischen auch schon 20 Jahre alter Film „The day after tomorrow“ als klassischer, effektgetriebener Katastrophen-Thriller in Hollywood-Blockbuster-Manier daher, der auf Schockwirkung setzt.
„The Day after tomorrow“ erzählt vom Eintritt einer neuen Eiszeit, die durch die Schmelze der Polkappen verursacht wird, die wiederum Resultat der globalen Erwärmung ist. Wasserwellen überfluten Städte, Tornados fegen Hochhäuser hinfort, Schneemassen bedecken die Erde, eisige Kälte bringt das menschliche Leben und lebende Menschen zum Erstarren. Inmitten der Katastrophe, die die Welt für immer verändern wird, kämpfen ein Vater (Meteorologe Dennis Quaid) und sein Sohn (Jake Gyllenhaal) ums Überleben.
Wie immer bei Deutschlands Hollywood-Export Roland Emmerich dominieren Pomp, Bilder und Effekte über Story und emotionaler Tiefe, strotzt die Geschichte vor Klischees, auch wenn es nicht so schlimm kommt wie in seinem Flop „Midway“. Übersehen wird aber oft, dass „The day after tomorrow“ gerade die politische Komponente im Umgang mit der Katastrophe recht akkurat darstellt: Politiker werfen Wissenschaftlern und Experten, die warnen, „Panikmache“ vor, nehmen sie nicht ernst, verdrängen das Problem – das natürlich trotzdem eintritt. Denn Natur, Klima und Wetter richten sich nicht nach politischen Verordnungen, nach populistischen Ansagen, lassen sich nicht verblenden und in die Irre führen.
„The Day after tomorrow“ ist auch eine Empfehlung für Freunde oder Familienmitglieder, die irgendwann falsch abgebogen sind und bei dem Wort „Klima“ reflexartig die Ohren zuhalten: Der Film ist leicht zugänglich, bedingt anspruchsvoll, nicht belehrend – und besitzt trotzdem aufklärerisches Potenzial, auch wenn die Message in einen Unterhaltungsfilm verpackt ist. Und selbst wer sich nicht aktiv und bewusst mit dem Thema befassen will, kann sich 2 Stunden amüsieren lassen.
Fazit
Es gibt bessere, tiefgründigere und klügere Filme über den Klimawandel, doch „The day after tomorrow“ verpackt die wichtige Message in einen mit bemerkenswerten Bildern und Effekten ausgestatteten Unterhaltungsfilm, der auch nach 20 Jahren noch wirkt.
Bewertung
(60/100)
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