Ab 17.10.2024 im Kino.
Was macht einen gelungenen Action-Film aus? Zuerst natürlich überzeugende Action-Sequenzen, im Idealfall virtuos choreografiert, stilsicher und immersiv umgesetzt. Beispiele für „Action-Klassiker“ gibt es genug, die jeweilige Präferenz ergibt sich nach persönlichem Geschmack: „Heat“, „Terminator“ und „Terminator 2“, „Speed“, „Top Gun“, „Rambo“ oder die „John Wick“-Reihe sind nur ein paar Namen, die das Genre prägten.
von Christian Klosz
Doch ohne Handlung, ohne Plotgerüst, das die Action zusammenhält, fällt auch der handwerklich beste Film in sich zusammen. Das Publikum muss gefesselt werden, zudem sind interessante Charaktere nötig, die es den Zuschauern erlauben, auch emotional involviert zu werden. Ein Film mit erstklassiger Action, aber ohne die außerdem nötigen Ingredienzen kann nicht funktionieren. Leider ist „Weekend in Taipei“ genau das. Der von Luc Besson mit-geschriebene und produzierte und von George Huang inszenierte Actionfilm startet morgen in den Kinos.
„Weekend in Taipei“ beginnt damit, dass John Lawler (Luke Evans), ein amerikanischer Drogenfahnder, von seiner Chefin eine Auszeit verordnet bekommt, nachdem ein Routineeinsatz völlig eskaliert war. Doch Evans bucht keinen Urlaub am Strand, sondern ein Wochenende in Taipei, Taiwan, um „in seiner Freizeit“ den Drogenboss Kwang zur Strecke zu bringen. Die Stadt hat darüber hinaus eine ganz besondere Bedeutung für den Ermittler: Vor 15 Jahren war er dort schon einmal im Einsatz gewesen – und verliebte sich in Joey (Gwei Lun-mei), eine lokale Drogenkurierin. Inzwischen ist Joey allerdings mit Kwang verheiratet und hat einen rund 15-jährigen Sohn – beides war John unbekannt. Das unerwartete Wiedersehen ist also eine Überraschung für beide Seiten.
Nun offenbart bereits dieser Abriss eine äußerst dünne und nur leidlich kreative Handlung, aber mehr passiert in „Weekend in Taipei“ wirklich nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass manche Plot-Bausteine im besten Fall generisch, im schlimmsten Fall unlogisch wirken. Zu eindeutig ist, dass die Handlung einzig und allein Vorwand für die Action-Szenen ist.
Geradezu konträr dazu verhält es sich mit den Action-Szenen: Denn die sind erstklassig und handwerklich beeindruckend umgesetzt. Als sehenswerte Kulissen dienen die Küche eines Restaurants, ein Nobelhotel oder die Straßen Taipeis. Gerade der Einstieg in „Weekend in Taipei“ lässt das Publikum hoffen, denn der Film beginnt mit einem Knall, also einem minutenlangen Kampf zwischen Lawler und dutzenden Bandenmitgliedern in der Restaurantküche, in der er undercover als Koch tätig war. Dass er allein alle Gegner zur Strecke bringt, nur bewaffnet mit Pfannen, Töpfen und Küchenmessern, ist natürlich völlig unrealistisch. Aber es macht zumindest Spaß.
Die Action bleibt herausragend. Doch ab dem Moment, wo der Film mit der Notwendigkeit konfrontiert ist, eine halbwegs sinnvolle Handlung um die Action zu basteln, scheitert er. So verschenkt „Weekend in Taipei“ zweifelsohne vorhandenes Potential, da gerade Luke Evans seine Sache recht überzeugend macht. Auch die Chemie zwischen ihm und Gwei stimmt, obwohl sich die wieder aufgeflammte Romanze ihrer beiden Figuren auf Klischees beschränkt. Unverständlich ist, warum dieser Beziehung und den Figuren insgesamt nicht mehr Zeit eingeräumt wurde, um sich zu entfalten.
Fazit
„Weekend in Taipei“ ist am Ende leider nicht mehr als ein absolut durchschnittlicher Action-Film geworden, der zwar handwerklich überzeugt und es optisch mit weitaus teureren und prestigeträchtigeren Produktionen aufnehmen kann, aber am Ende auf das vergisst, was der Kern jedes guten Films sein muss: Eine Story.
Bewertung
(47/100)
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