Indie-Horror hat in den letzten Jahren auch abseits von Studios wie A24 einige Erfolge gefeiert, unter anderem dank Streaming-Diensten wie Shudder, eine Art Netflix für Genre-Filme. Leider ist die Plattform in Europa noch nicht verfügbar, doch jetzt können Fans, die das neueste Shudder-Original „Oddity“ beim letzten Slash Filmfestival verpasst haben, den Film digital oder auf DVD bzw. Blu-ray nachholen und sich von der paranormalen Rachegeschichte von Regisseur und Drehbuchautor Damian McCarthy überzeugen lassen.

Von Natascha Jurácsik

Nachdem Dani Timmins brutal in ihrem neuen Haus ermordet wird, setzt ihre Schwester Darcy, ein blindes Medium, alles daran den Vorfall aufzuklären. Ihr Verdacht fällt dabei auf ihren Schwäger Ted, der sich nicht mal ein Jahr nach dem Tod seiner Frau mit seiner neuen Freundin im selben Haus einnistet und scheinbar alles daran setzt die Vergangenheit ruhen zu lassen. Mithilfe eines sonderbaren Familienerbstücks will Darcy die Wahrheit aufdecken und sich für den Tod ihrer Schwester rächen.

„Oddity“ – Kritik

Regisseur McCarthy ist von Minute eins sehr bedacht darauf, die Atmosphäre einen Großteil der Arbeit machen zu lassen und setzt dabei auf altbekannte Formeln: Ein abgeschiedenes Haus, düsteres Wetter, suspekte Figuren und eine Handvoll gut platzierter Jump-Scares. Das Opening von „Oddity“ ist dabei besonders effektiv, was den Spannungsaufbau betrifft und beweist, dass McCarthy auch visuell weiß, mit der Kamera umzugehen. Allerdings kann der restliche Film diese Spannung nicht halten und verliert die Aufmerksamkeit des Zuschauers recht schnell wieder.

Mit Schuld daran sind unter anderem die Dialoge, welche sehr uninspiriert und langweilig wirken. Sie lassen den Darstellern nicht genügend Spielraum, um Tiefe in ihre Charaktere mit einzubauen, wodurch sie eindimensional und schematisch handeln. Dieser Mangel an Komplexität sorgt dafür, dass das Publikum spätestens am Ende des ersten Aktes von „Oddity“ bereits weiß, wie der Film ausgehen wird. Jegliche Ambiguität geht hierbei verloren und auch die Figuren selbst sind nicht interessant genug, um mit ihnen mitfiebern zu können. Was folgt ist ein ca. 45 Minuten langes, vorhersehbares Katz-und-Maus-Spiel ohne effektive Schockmomente.

Das Einzige, was das Publikum eventuell noch am Screen festhält, ist der etwas misslungene, aber dennoch unterhaltsame Einsatz übernatürlicher Elemente in eine Geschichte, die als psychologischer Thriller wesentlich besser funktioniert hätte. Besonders die bizarre Holzfigur, die als Familienerbstück beschrieben wird, sorgt für verwirrte Faszination: Einerseits ist sie vermutlich das einzige, was „Oddity“ halbwegs von anderen Streifen dieser Art unterscheidet, allein schon durch ihr verstörendes Aussehen. Doch andererseits hat sie im Grunde nicht wirklich etwas in diesem Film verloren. Die Story würde wunderbar ohne sie funktionieren und sogar einige offene Fragen aus dem Weg räumen, die dem Gesamtbild schaden. Es ist offensichtlich, dass der Holzmann als Ausgangspunkt diente, um den herum McCarthy versuchte, ein Drehbuch zu konzipieren. Die restlichen paranormalen Details sind zwar weniger konfus, dafür aber wieder uninteressanter, auch wenn sie hier und da dem Zuschauer einen gelungenen Schrecken einjagen.

Fazit

Nicht wirklich schlecht, aber auch nicht wirklich gut – „Oddity“ ist ein Paradebeispiel für die Art von Mittelmäßigkeit, die bei Genre-Filmen leider häufig vorkommt. Statt sich auf ein gründlich überarbeitetes Drehbuch als Basis zu konzentrieren, schleppt sich der Film von einem Trailer-Moment zum nächsten und hofft dabei, halbwegs kohärent als Einheit zu funktionieren. Für Genre-Fans kann das Werk gut als Überbrückung bis zum nächsten, großen Horror-Release dienen, doch tatsächlich überzeugen kann McCarthy diesmal nicht.

Bewertung

Bewertung: 5 von 10.

(Rating: 51/100)

„Oddity“ ist bereits als Kauf-VOD verfügbar, erscheint am 13.3.2025 als Leih-VOD und am 3.4.2025 auf BluRay und DVD.

Bild: (c) Tiberius Filmverleih