„The Thursday Murder Club“ war 2020 ein kolossaler Bucherfolg, eine Verfilmung war also nur eine Frage der Zeit. Netflix sicherte sich die Rechte, engagierte Chris Columbus („Kevin – Allein zu Haus“, „Harry Potter“) und eine ganze Riege britischer Top-Stars rund um Helen Mirren für die Adaption, die seit 28.8.2025 zu streamen ist. Ob „TMC“ an den literarischen Erfolg anschließen kann und sich mit den Klassikern des Krimi- und Whodunnit-Genres messen kann, steht in unserer Kritik.

Kritik von Richard Potrykus

Vor sechs Jahren kam mit “Knives Out” (Kritik) ein Kriminalfilm in die Kinos, der in vielerlei Hinsicht an die klassischen Inszenierungen rund um Agatha Christies Hercule Poirot erinnerte und doch neu war. Die ständigen Genrewechsel sorgten für Frische im Ensemble-Einheitsbrei und machten den Film zurecht erfolgreich. Nun meldet sich Chris Columbus bildreich zu Wort und versucht ebenfalls, frischen Wind in ein eher angestaubtes Narrativ zu bringen.

Doch anstelle eines genialen Detektivs präsentiert gibt es in “The Thursday Murder Club” ein – oder gleich mehrere – moderne Pendants zu Miss Marple, jener sympathisch-schrulligen alten Dame, die mit ihrem leicht einfältigen Kompagnon Mister Stringer Kriminalfälle löste. Starbesetzt und komisch inszeniert der “Harry Potter”-Regisseur die Jagd auf einen Mörder und versammelt dabei gefühlt alles, was in England schauspielern kann.

Der „Thursday Murder Club“ ermittelt im Seniorenheim

Ort des Verbrechens und Zentrum der investigativen Arbeit ist eine noble Seniorenresidenz namens Coopers Chase. Hier leben wohlhabende pensionierte Menschen und vertreiben sich den Tag mit allerlei Aktivitäten. Eine dieser Aktivitäten ist der Donnerstagsmordclub, angeführt von der stürmischen Elisabeth Best (Helen Mirren). Es gilt, ungelöste Kriminalfälle vergangener Jahre nochmals zu diskutieren und aufzuklären.

Die Residenz ist dabei im Eigentum mehrerer Männer, darunter Tony Curren (Geoff Bell) und Ian Wentham (David Tennant), und während sich Curren für den Erhalt der Residenz einsetzt, sucht Wentham Mittel und Wege, die Residenz zu räumen, um Geld statt durch alte Menschen durch teure Wohnungen zu erwirtschaften. Dann stirbt Curren plötzlich und ruft so den „Thursday Murder Club“ auf den Plan. Angetrieben von der Motivation, die eigene Bleibe zu retten, reißen die Mitglieder die polizeilichen Ermittlungen an sich und machen dabei so manche Entdeckung.

Wer war es denn nun? Ein Kriminalfilm ohne Motivation

“The Thursday Murder Club” ist zweifelsohne ein vergnüglicher Film, der mit so mancher Idee aufwarten kann. Die erzählerische Raffinesse eines “Knives Out” besitzt er dabei nicht. Rian Johnsons Film lebt davon, dass das Publikum immer wieder vor neue Aufgaben gestellt wird. Mal gilt es, den Mörder zu finden, dann ihn zu fangen. Plötzlich stellt sich heraus, dass die falsche Person verdächtigt wird. In der Folge steht die Entlastung der Figur im Zentrum – und dann wieder das Entlarven des wahren Täters.

thursday murder club film

Columbus’ klassischer Kriminalfilm „The Thursday Murder Club“ geht hier andere Wege. Der Fall rund um das Coopers Chase wird gerade heraus erzählt. Die Handlung macht hier keine größeren Wendungen. Stattdessen wird auf eine Vielzahl von Verdächtigen gesetzt. Der Film erinnert damit an das bekannte Kinderspiel “Wer ist es”, in dem es gilt, durch geschicktes Fragen nach und nach alle Personen auszuschließen, bis nur noch eine mögliche Figur übrig bleibt.

Das Problem ist, dass „The Thursday Murder Club“ irgendwann die Verdächtigen ausgehen und des Rätsels Lösung um mehrere Ecken auf einmal präsentiert werden kann. Und auch die Wege dorthin wirken stellenweise mehr bemüht als clever geschrieben. Aus einem intelligenten Puzzle wird so eine Collage, bei der das entstehende Bild zweitrangig ist, solange die ganze Fläche genutzt wird.

„The Thursday Murder Club“ (2025): Ein Ensemble mit vielen Talenten

“The Thursday Murder Club” nun aber eine schlechte Note zu attestieren, wäre nicht richtig. Stattdessen sei vorgeschlagen, den Kriminalfilm “The Thursday Murder Club” einmal beiseite zu schieben und den Fokus stattdessen auf den Ensemblefilm “The Thursday Murder Club” zu legen. Dieser bietet viele Schauwerte und sie stehen und fallen mit Helen Mirren.

Die Präsenz dieser Schauspielerin ist überragend. Sie beherrscht jede Szene, in der sie auftritt, und treibt die Handlung voran. Die Energie, die sie dabei freisetzt, lässt einen vermuten, sie spielte nicht nur eine Rolle, sondern versuchte, aktiv auf das Drehbuch einzuwirken, um den Mörder zu finden. Die Selbstironie, mit der sich sich wie die Queen kleidet, die Gewitztheit, mit der sie Eins und Eins zusammenzählt, während sie auf ihrem Smartphone auf eine extra große Schrift angewiesen ist, diese Kombination aus Cleverness und schrulligen Eigenarten zieht einfach alles und jede*n in ihren Bann.

Columbus versteht, Figuren zu inszenieren, und Mirren ist hier die perfekte Wahl, vor allem, wenn es darum geht, selbige als „rund“ darzustellen. Elisabeth, Mirrens Figur, blickt auf ein bewegtes Leben zurück, welches mit dem Einzug in die Residenz plötzlich zum Stillstand gekommen ist. Ihr Ehemann Steven – einfühlsam gespielt von Jonathan Pryce („The Two Popes“) – ist an Demenz erkrankt und hat gute und schlechte Tage.

The Thursday Murder Club 2025

„Lass uns tanzen!“

Mit im Thursday Murder Club sind noch der ehemalige Gewerkschaftsführer Ron Ritchie (Pierce Brosnan), der pensionierte Psychiater Ibrahim Arif (Ben Kingsley) und die ehemalige Krankenschwester Joyce Meadowcroft (Celia Imrie). Sie ist nur auf Probe Mitglied des Clubs und wurde von Elisabeth angeworben, weil sie “medizinischen Sachverstand” besitzt. Und genau darum geht es: All diese Figuren haben Erfahrung und Fähigkeiten, die von Bedeutung sind, und Columbus‘ Film zeigt uns, wie falsch es ist, darauf zu verzichten, nur weil der Mensch dahinter älter geworden ist.

Der Regisseur präsentiert die Menschen in ihrer Gesamtheit und vergisst dabei auch nicht die Wichtigkeit der Liebe. An einer Stelle fordert Steven Elisabeth in einem Moment der Klarheit zum Tanzen auf und sagt: “Lass uns tanzen. Das Leben ist zu kurz, um nicht zu tanzen.” Der Kern des Films liegt in diesem Ausspruch.

Fazit

Als Kriminalfilm taugt “The Thursday Murder Club” nur bedingt. Zu bemüht wird hier irgendwelchen Hinweisen nachgegangen oder versucht, die schrulligen Alten zu Held*innen aufzubauen. Die Stärken liegen in der lebensbejahenden Einstellung, angeführt von einer vor Energie strotzenden Helen Mirren. Regisseur Chris Columbus präsentiert das Altwerden sehr offen, ohne dabei allzu ernst in eine kritische Studie abzudriften. Der Film macht die Sterblichkeit bewusst (auch abseits gewalttätiger Einwirkungen von außen) und plädiert für einen respektvollen Umgang mit den älteren Semestern, die immer auch für Überraschungen gut sein können. Mit seinen 118 Minuten ist „The Thursday Murder Club“ zwar etwas zu lang geraten, aber die zahlreichen schönen, liebevollen und auch lustigen Momente entschädigen dafür.

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

(71/100)

„The Thursday Murder Club“ (2025) – seit 28.8.2025 auf Netflix.

„The Thursday Murder Club“ – Trailer

Bilder: (c) Giles Keyte / Netflix