Was macht ein noch relativ junger Regisseur, der ob seines eigenständigen Zugangs monate- und jahrelang von Star Wars-Jüngern unter dem Vorwurf der Blasphemie gehated wird? Richtig, am besten sich nichts daraus, und stattdessen einen neuen Film, der ihn von unnötigen produktionsrelevanten Fesseln befreit, und es ihm ermöglicht, das zu tun, was er am besten kann: Komplex und virtuos konstruiertes Spannungskino, das den Geist stimuliert. Genau das ist Rian Johnson mit „Knives Out“ gelungen, der hiermit einen mörderisch unterhaltsamen Krimi vorlegt, der ganz in Agatha Christie-Manier mit der Erwartungshaltung der Zuschauer spielt und sie nicht nur einmal an der Nase herumführt. (Nun doch schon) ab 28.12. im Kino zu sehen.

von Christian Klosz

Harlan Thrombey (Christopher Plummer) ist tot: Der gutmütige Familienpatriarch, Krimiautor und nebenbei Begründer eines Verlags-Imperiums, wird blutüberströmt in seinem Zimmer gefunden, das Messer in der Hand, die Kehle durchschnitten. Auch wenn es sich keiner so recht erklären kann: Alles deutet auf Suizid hin. Doch der geheimnisvolle Ermittler Benoit Blanc (Daniel Craig), der die lokale Polizei berät, mag nicht daran glauben, und vermutet vielmehr: Mord. Die hinterbliebene Familie, eine gierige Meute von eigenwilligen, egoistischen bis exzentrischen Charakteren, bietet eine große Auswahl an möglichen Verdächtigen, fast alle hätten das eine oder andere Interesse am Tod des Alten. Doch dass es erstens anders kommt, und zweitens als man denkt, müssen nicht nur die Familie Thrombey und Ermittler Blanc erfahren, sondern auch die Zuschauer von „Knives Out“.

Knives Out Kritik

Johnson konstruiert seinen Kriminal-Thriller als Whodunit, bei dem der Zuschauer allerdings schon früh zu wissen glaubt, wer der Täter ist – auch aufgrund eines Informationsvorsprungs, den ihm der Regisseur in bester Columbo-Manier zugesteht. Wir beobachten also Ermittler Blanc bei der Lösung eines Rätsels, dass wir offenbar schon gelöst haben, glauben, zu verstehen, was hier gespielt wird, doch Achtung: Hier ist nichts, wie es scheint.

Mehr soll über den perfiden Plot an dieser Stelle auch nicht verraten werden – denn der ist tatsächlich das Herzstück von „Knives Out“, der mehr ein Kopf- denn ein Herzfilm geworden ist, sprich: Er stimuliert in erster Linie die kleinen grauen Zellen, wie das ein gewisser Hercule Poirot immer zu formulieren pflegte, und keine Emotionen. Der durchwegs überzeugende Cast und der wohl platzierter Humor verhindern aber, dass das ganze zu trocken und spröde würde. Schauspielerisch stechen Chris Evans als verwöhnter Snob, Toni Colette als New Age-Tussi und Daniel Craig als geheimnisvoller Ermittler heraus, der mit einem besonders interessanten Akzent ausgestattet wurde, der irgendwie wie eine schräge Mischung aus southern accent und upper class British klingt. Nachdem wir die wahre Herkunft des Detektivs nicht erfahren (Kentucky?), ist es natürlich auch möglich, dass der Brite Craig mit seinen Bemühungen, einen breiten US-Akzent darszustellen, gescheitert ist – amüsant klingt es auf jeden Fall.

Knives Out Daniel Craig

Fazit

„Knives Out“ ist eine modernisierte Variante eines klassischen Whodunit, die dennoch mehr auf Tradition denn auf Innovation setzt und die Luft der großen Krimi-Klassiker atmet. Der Cast überzeugt, die Inszenierung steigert die Spannung stetig, und als Herzstück des Films pocht ein virtuos verschlungener Plot und pumpt kalten Suspense durch seine Adern: Großes Genre-Kino, mörderisch unterhaltsam.

Bewertung

9 von 10 Punkten

Bilder: © 2019 Universumfilm GmbH