Seit Jahren wächst die Anzahl der Biopics, dabei stehen insbesondere Musiker im Fokus. Zur Erinnerung: Allein in diesem Jahr wurde bereits das Leben von Bob Dylan, Robbie Williams als auch Maria Callas aufgerollt. Nun also hat Regisseur Scott Cooper einem weiteren Musiker einen Spielfilm gewidmet: Die Rede ist von „Springsteen: Deliver Me From Nowhere“, der diese Woche (23.10.2025) in den Kinos startet.

von Jonas Schilberg

Scott Cooper hatte mit „Crazy Heart“ bereits 2009 einen Musikfilm gedreht, allerdings über einen fiktiven Country-Sänger (Oscar für Jeff Bridges). Für Hauptdarsteller Jeremy Allen White, den man in erster Linie mit der Hit-Serie „The Bear“ in Verbindung bringt, ist es hingegen die erste musikalische Rolle. Seine Besetzung löste daher durchaus Diskussionen aus – wenn es nach Bruce Springsteen selbst geht aber völlig unbegründet.

„Springsteen: Deliver Me From Nowhere“: Der „Boss“ ist begeistert vom Film

Springsteen, der das Set von „Deliver Me From Nowhere“ mehrfach besuchte, beschreibt Whites Leistungen als „großartig“ – die schauspielerischen, aber auch seinen Gesang. In Interviews betonte er, Allens Stärke liege darin, nicht bloß zu „imitieren“, sondern den „psychologischen Aspekt“ auf eigene Art und Weise zu interpretieren. Das sei auch der Grund, weshalb der ganze Film so gut funktioniere, erklärte Springsteen kürzlich bei „Jimmy Kimmel Live!“, während White neben ihm mit verschränkten Händen und überschlagenen Beinen saß und bedächtig nickte (siehe Video unten). Dass es aber auch ein bisschen „strange“ war, jemanden sich selbst spielen zu sehen. Dass der Künstler selbst sein eigenes Biopic gut findet, überrascht allerdings wenig.

Das Drehbuch zum Film basiert auf dem 2023 erschienenen Sachbuch „Deliver Me from Nowhere: The Making of Bruce Springsteen’s Nebraska“ von Warren Zanes, das ursprünglich einmal nur ein schmaler Artikel hatte werden sollen. Folglich konzentriert sich das Biopic auf die Entstehungszeit des Albums „Nebraska“. Anfang der 1980er also, Springsteen zum Schreiben zurückgezogen in New Jersey.

Springsteen-Biopic: Inhaltlicher Fokus auf eher kurze Zeitperiode

Spannend, denn: Mit diesem Album spaltete Springsteen seinerzeit Fans wie Presse. Auch wer vor allem seine treibenden Rock-Songs wie „Born In The U.S.A.“ kennt, mag verwundert sein, wenn er in „Nebraska“ reinhört. Die dominierende Stimmung ist leise, ist ruhig, fast ausschließlich setzt Springsteen zudem auf Akustik. Die Entstehungszeit beschrieb der Musiker als „emotional dramatisch“, weniger euphemistisch formuliert war sie getragen von Depressionen und Angstzuständen. All dies sollte wohl reichlich Erklärung liefern, weshalb Scott Cooper ausgerechnet jene Periode in den Blick nimmt.

Dennoch greift „Springsteen: Deliver Me From Nowhere“ auch den so beliebten wie häufig missverstandenen Song „Born In The U.S.A.“ auf, der kurz nach Veröffentlichung des Albums entstand. White berichtete in einer Talkshow, nach Drehen einer entsprechenden Gesangsszene tagelang die Stimme verloren zu haben. Zur Wiedererlangung und Anpassung an die benötigte rau-kratzige Stimme schrie er anschließend eine Woche lang jeden Morgen in sein Kissen. Wie das Künstlerleben eben manchmal so ist.

Jeremy Strong schlüpft in die Rolle von Springsteens Manager Jon Landau. Er dürfte nicht nur durch seine Rolle in der Erfolgsserie „Succession“ bekannt sein, mit seinem Schauspiel im Trump-Drama „The Apprentice“ (2024) heimste er jüngst eine Oscar-Nominierung ein. Springsteens Vater hingegen verkörpert Stephen Graham („Adolescence“), seine Freundin Faye die Australierin Odessa Young („The Order“).

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Braucht es all diese Biopics?

Die Besetzung stimmt, Springsteen selbst ist begeistert und seine Set-Besuche können Hoffnung machen. Es gibt dennoch ein grundsätzliches Problem, wenn immerzu auf Musik-Biopics gesetzt wird. Oft sind nämlich die generischen Muster solcher Filme spürbar, es wird bemüht rekonstruiert, verzerrt, aufgebläht.

In dieser Zeit voller Musik-Biopics könnte ausgerechnet Springsteens Film aber herausstechen – gerade wegen seines ungewöhnlichen Fokus auf die Nebraska-Phase. Ob Lichtblick oder Langeweile, das muss der Zuschauende letzten Endes wohl selbst herausfinden.

„Springsteen: Deliver Me From Nowhere“ – ab 23.10.2025 im Kino.

„Springsteen: Deliver Me From Nowhere“ – Trailer

Bilder: (c) 20th Century Studios