Langweilig wird’s mit Mel Gibson nie: Nachdem der Schauspieler und Regisseur nach seinen antisemitischen Alkoholeskapaden aus Hollywood verbannt wurde, gelang ihm 2016 mit „Hacksaw Ridge“ ein beachtetes Comeback am Regiestuhl. In den letzten Jahren war er vor allem als Darsteller in B-Movies aktiv, manche davon durchaus ansehnlich, nun übernahm er mit „Flight Risk“ bei einem ebensolchen selbst die Regie – ein Werk, das mit dem bisherigen, von Bombast getragenen Œuvre Gibsons sehr wenig zu tun hat. Der Anfang 2025 im Kino angelaufene Film ist ab 4.11. nun auf Amazon Prime Video (Abo) zu streamen.
Selbst wenn man den Zugang vertritt, ein Werk ist von seinem Autor zu trennen, kommt man um eine einordnende Kontextualisierung nicht umhin, umso mehr bei der Person Mel Gibson: Nachdem er sich Mitte des letzten Jahrzehnts in Hollywood weitgehend rehabilitieren konnte, fiel er gerade in den letzten Monaten immer wieder durch verstörende bis schlichtweg dumme Aussagen auf. 2024 empfahl er Donald Trump für die US-Wahl, seine Gegnerin Kamala Harris hätte „den IQ eines Zaunpfosten“, so Gibson. Und das, nachdem er sich bei der Wahl 2016 noch gegen Trump gestellt hatte.
Mel Gibsons Absturz auf Raten
Im Zuge der kalifornischen Wildfeuer, die auch sein Anwesen zerstörten, startete Gibson einen Feldzug gegen den kalifornischen Gouverneur Gavin Newsom und die Bürgermeisterin von LA, die er verklagen wollte und denen er die alleinige Schuld an der Katastrophe gab. Verweise auf klimawandelbedingte Dürren? Fehlanzeige. Und vor einigen Monaten gab der Amerikaner, der seine Karriere in Australien begann, in Trump-Fanboy Joe Rogans Talkshow gefährliche Verschwörungstheorien zum Besten, wonach das Entwurmungsmittel Ivermectin Krebs heilen könne.
Bevor nun die selbsternannten Meinungsfreiheitskämpfer auf die Barrikaden gehen, deren pervertiertet Aktivismus meist nur Vorwand ist, jegliche Dummheit ungestraft von sich geben zu können: Mel Gibson kann sagen was er will. Er muss sich dann aber auch sagen lassen, ein uninformierter Verschwörungstheoretiker zu sein, dessen Brett vor dem Kopf täglich zu wachsen scheint, denn zum Spiel der tatsächlichen Meinungsfreiheit gehört bekanntlich immer auch die Gegenmeinung.
Wem angesichts von Gibsons neuesten Eskapaden die Lust vergangen ist, sich weiter mit seinem Werk zu befassen, dem kann man das kaum zum Vorwurf machen. Wer Werk von Autor trennen kann, kann sich „Flight Risk“ natürlich trotzdem zu Gemüte führen, eine objektive Bewertung des „Films als Film“ ist in dem Fall sogar nicht sonderlich schwierig, da Gibsons Regiearbeit an sich völlig unpolitisch ist.
„Flight Risk“ kommt nicht vom Boden
Die Handlung von „Flight Risk“ ist schnell erklärt: Die US-Marshall Madolyn Harris (Michelle Dockery) überredet den Mafia-Kronzeugen „Winston“ (Topher Grace), der sich in einer Hütte in Alaska versteckt, zur Kooperation mit den US-Behörden. Darauf soll sie ihn sicher nach Seattle und dann nach New York transportieren, wo er gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber, den Moretti-Clan, aussagen soll. Der Pilot des dazu genutzten Kleinflugzeugs (Mark Wahlberg) ist aber nicht der, als der er sich ausgibt, sondern vielmehr einer von Morettis Männern, der Winston zum Schweigen bringen soll, wozu ihm alle Mittel Recht sind.

Was klingt wie ein simpler, reichlich dünner B-Movie-Plot ist auch genau das: Fast die gesamte Handlung des 90 Minuten kurzen Action-Thrillers spielt sich im Inneren des Jets ab. Nun ist kammerspielartiger Minimalismus – wenn richtig umgesetzte – per se nichts Schlechtes.
Wenn man sich aber ins Gedächtnis ruft, dass Gibsons andere Filme durchwegs bombastische Epen waren, die zu einem Gutteil von ihrer Megalomanie (und jener ihres Machers) lebten („Braveheart“, „Die Passion Christi“, „Apocalypto“), wird „Flight Risk“ gerade Fans der älteren Gibson-Filme enttäuschen. Ihm fehlt jeglicher Anspruch an sich selbst, zudem sieht er teils recht billig produziert aus – und kommt so nie über den Status eines bestenfalls mittelmäßigen B-Movies hinaus.
Dass der Kammerspiel-Gag auch nicht so wirklich funktioniert, liegt am mauen Schauspiel: Am besten macht ihre Sache noch die Britin Michelle Dockery, bekannt aus „Downtown Abbey“. Mark Wahlberg hingegen ist das wahre Lowlight von „Flight Risk“, der hier wohl die schlechteste Leistung seiner Karriere hinlegt. Nicht nur irritiert die Optik der billig aufgeklebten Glatze, sondern auch sein erratisches Overacting, das nicht in die von Nicolas Cage zur Kunstform erhobene Kategorie „so bad it’s good“ fällt, sondern für das gilt: „so bad it’s really bad“.
Fazit
„Flight Risk“ ist so gaga wie sein Regisseur: Trotz seines überdrehten Verves hebt Mel Gibsons neues Werk nie vom Boden ab und entgeht nur knapp dem Totalabsturz. Manch gute Ansätze werden durch die Schlampigkeit von Drehbuch und Inszenierung zunichte gemacht, sodass am Ende ein bestenfalls mittelmäßiges B-Movie bleibt, von denen es tausende ähnliche und viele bessere gibt. Selbst wer die privaten Gibson’schen Eskapaden ausblenden kann, wird nur bedingt Freude an diesem Machwerk haben.
Bewertung
(48/100)
„Flight Risk“ ist seit 4.11.2025 auf Amazon Prime Video zu sehen.
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„Flight Risk“ – Trailer
(Stand: 4.11.2025)
Bilder: (c) TOBIS Film GmbH
