Der Titel des neuen Netflix-Katastrophenfilms „Thrash“ (am 10. April 2026 erschienen) kann mitunter zu Übersetzungsfehlern oder Missverständnissen führen: Thrash bedeutet nämlich ungefähr verprügeln, verhauen, dreschen und nicht Müll, denn das heißt auf Englisch Trash. Und wer auf die Handlung blickt, mag mitunter Zweiteres erwarten: Nach einem Hurrikan und Überflutungen wird eine Küstenstadt von Haien heimgesucht, die ihr plötzlich ausgegehntes Territorium erkunden. Leider ist bei „Thrash“ die Idee besser als ihre Umsetzung, und etwas mehr Trash-Faktor hätte dem Film von Regisseur Tommy Wirkola („Violent Night“) durchaus gut getan.
Kritik von Christian Klosz
Wer „Haifilm“ hört, denkt entweder and den Klassiker „Der Weiße Hai“. Oder an die Trashfilm-Reihe „Sharknado“. „Thrash“ versucht, beide Zugänge zu verbinden: Eine aberwitzige und blöde Handlung relativ ernsthaft umzusetzen und mit Klimakrisenkritik zu unterfüttern. Leider gelingt das eher schlecht als recht.
„Thrash“ hätte mehr Trash gut getan
Die Handlung von „Thrash“ ist rasch erklärt, denn kaum vorhanden: Ein riesiger Hurrikan nähert sich einer Küstenstadt, Überschwämmungen werden erwartet. Unterschiedliche Menschen, darunter die agoraphobische Dakota (Whitney Peak), ihr Onkel, der Meeresforscher Dale Edwards (Djimon Hounsou), die hochschwangere Lisa Fields (Phoebe Dynevor) und 3 Pflegerkinder unter der Obhut eines dämlichen Hinterwäldler-Paares, versuchen, mit den Folgen der Katastrophe klarzukommen. Wassermassen fluten die Straßen, dringen in Gebäube ein, hinterlassen einen Pfad der Verwüstung. Dem nicht genug: Eine riesige Horde von Haien taucht auf und hat Hunger.
„Thrash“ ist einer dieser Filme, bei denen die Umsetzung hinter der durchaus vielversprechenden Prämisse hinterherhinkt. Seinem Charakter nach ist das ein 0815-Katastrophenthriller, sehr formelhaft gestaltet und in seiner Gesamtheit durchschnittlich bis zur Fadesse. Zweifelsohne wird die Katstrophe – die über Häuser hereinbrechenden Wassermassen, Überlebenskämpfe der Figuren und auch die blutrünstigen Haie – technisch sauber und recht ordentlich dargestellt. Aber dem Ganzen fehlt schlicht das gewisse Etwas: Die Prämisse böte genügend Möglichkeiten, Humor einzusetzen, doch das passiert nicht. „Thrash“ krankt so am selben Problem wie Wirkolas letzter Film „Violent Night“: Auch dort gab es eine am Papier vieleversprechende und witzige Prämisse, die bemerkenswert unspektakulär und öde umgesetzt wurde.
Durchschnittlich auf allen Ebenen
Negativ fällt auch auch, wie gehetzt die Handlung heruntergespult wird, sodass „Thrash“ am Ende gerade mal 80 Minuten effektive Laufzeit vorweisen kann. Das ist nun deshalb nicht so schlimm, weil die Langeweile damit schneller vorbei ist. Doch man merkt manchen Sequenzen den exzessiven Schnitt an, und damit auch, wie wenig Anspruch das Projekt wohl an sich selbst hatte, wie uninspiriert und visionslos die Herangehensweise war.
Besonders enttäuschend ist die Sache dann, wenn man einen Blick auf die Produzenten des Streifens wirft: Mit Adam McKay steht dahinter einer der klügsten Köpfe Hollywoods, der mit seiner genialen Satire „Don’t look up“ den aktuellen Zeitgeist einfing wie kaum ein anderes Projekt der letzten Jahre. In manchen Momenten sickert die Gesellschaftskritik, die Ignoranz, mit der der Klimakrise allerorts begegnet wird, auch in „Thrash“ durch, aber ohne jemals auch nur im Ansatz das Prädikat „Satire“ zu verdienen oder den beißenden Zynismus von McKays letzten (von ihm selbst inszenierten) Filmen zu erreichen.

Fazit
Ein absolut belangloser Streaming-Snack für zwischendurch: Mehr ist „Thrash“ leider nicht. Auch wenn die optische Umsetzung gelungen ist und manche Action- oder Spannungs-Sequenzen durchaus gut gemacht sind, fehlt dem Film eine Seele, ein eigener Charakter. Er ist weder ein trashiger Unterhaltungsfilm, noch ein packender Katastrophenthriller, und auch keine beißende Satire oder ein ernsthafter Kilmakrisen-Film. Er ist auf alleben Ebenen durchschnittlich. Und damit recht langweilig.
Bewertung
(52/100)
„Thrash“: Seit 10.4.2026 auf Netflix
Was uns der Weiße Hai zur Klimkrise sagen kann
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Bilder: (c) Netflix

Wer lesen kann ist im Vorteil Hatte mich schon gefragt, warum man einen Hai-Trash-Film auch noch T(h)rash nennt… 😆
Ich hatte ihn gestern in die Watchlist gepackt wegen dem „Lesefehler“. Ich lasse ihn mal drin. 🙂