„LifeHack“ präsentiert eine simple Rahmenhandlung: Vier Teenager wollen den Tech-Milliardär Don Heard ausrauben. Der Clou: Sie müssen dafür keineswegs eine Bank stürmen oder ihn mit geladener Waffe empfangen; es reicht das Hacken seiner Crypto-Wallet. Dass der Thriller von Ronan Corrigan zusätzlich in Screenlife-Form gedreht wurde, macht ihn zu einer reizvollen Aktualisierung des klassischen Heist-Filmgenres. Am 10. September 2026 startet er im Kino.

Kritik von Jonas Schilberg

In „LifeHack“ planen vier Jugendliche einen großen Coup – online

Screenlife meint dabei, dass wir Zuschauende das Geschehen ausschließlich über die Computer- und Handy-Bildschirme der Protagonisten mitbekommen. Allen voran über die von Kyle (Georgie Farmer), der zentralen Figur. Er ist neben Alex (Yasmin Finney), Sid (Roman Hayeck-Green) und Petey (James Scholz) Teil einer vierköpfigen Gruppe Teenager, die Online-Scammer reinlegen. Mal, um sich etwas dazuzuverdienen, mehr noch zur persönlichen Belustigung. Anfangs jedenfalls. Dann orientieren sie sich um und wagen etwas Größeres: Das Hacken von Crypto-Wallets.

Nehmen sie sich zunächst vor, es lediglich auf „Arschlöcher“ abzusehen, bemerken sie nicht, wie sie selbst zunehmend zu materialistischen Draufgängern mutieren. Doch bald stehen sie vor ganz anderen Problemen. Denn der Spieß dreht sich um, plötzlich werden sie, mit dem Gruppennamen „Loser’s Club“, erpresst. Sie stehen vor der Wahl: Alles verlieren, oder einen letzten großen Coup wagen?

Das Internet als Lebensraum

Schon das Intro setzt Akzente: Überall passiert etwas auf diesem Bildschirm, den wir betrachten. Zocken, chatten, videotelefonieren. Rasant geschnitten. Pure Reizüberflutung, oder mit anderen Worten: das Internet. Es zu demontieren, auch das nimmt sich „LifeHack“ in 97 Minuten Laufzeit zur Aufgabe, ebenso präzise wie humorvoll. Eigenheiten wie Phishing, Doxxing, Ghosting und nicht zuletzt Trading, sie werden skizziert, um sich diesem parallelen und doch zugleich in unsere Welt eingebetteten Universum zu nähern.

Schlafen? Spotify-Playlist! Zum Geburtstag gratulieren? Facebook-Nachricht! Abhängen? Discord! Stalking? Instagram! Man könnte „LifeHack“ natürlich vorwerfen, dass seine Screenlife-Form den Film dazu zwingt, die Gegenwart als bloßes wechselweises Benutzen von Apps darzustellen. Doch das wäre voreilig und würde verkennen, wie nah das Werk an unserem Alltag ist. Die Auseinandersetzung ist dabei alles andere als unkritisch: Die neuen Medien bringen auch eine neue Einsamkeit, zeigt sich, wenn Kyle etwa damit konfrontiert wird, keine echten Freunde in der Offline-Welt zu haben.

LifeHACK film still
Großes Bangen vor dem Bildschirm

Besondere Form erwirkt besondere Möglichkeiten

Auf einer formalästhetischen Ebene dieser digitalen Isolation Ausdruck zu verleihen, gelingt „LifeHACK“ durch das innovative Screenlife-Format großartig. Es ist wahrlich phänomenal, was sich hier entwickelt, durch das bloße Anstarren von Aktivitäten auf einem Bildschirm. Dass regelmäßig die Kamera-App geöffnet oder Videotelefonie betrieben wird, damit die Schauspieler schauspielern dürfen (und das keineswegs schlecht), ist zwar ein kaum zu vermeidender Begleiteffekt, der manchmal durchaus artifiziell wirkt, aber insgesamt überwiegen klare Vorzüge. So macht das Googeln, Klicken, Umherirren der Maus und Löschen oder Umschreiben von Text, den man fast abgeschickt hätte, etwas sichtbar, das dem Medium Film ansonsten schwerfällt: innere Prozesse.

Sonst ein entscheidender Vorteil von literarischen Werken gegenüber filmischen, können wir dadurch das Innenleben, das Denken nachvollziehen. Die einzelnen Charaktere entwickeln durch die gläsern-digitale Trennscheibe hindurch glaubwürdige, individuelle Stimmen. Mit der Familie läuft es bei mehreren von ihnen schlecht. Kyle steht auf Alex, ohne es ihr je zu sagen. Allein die Mausklicks erzählen davon, kein Dialog muss es erst explizit machen. Siegfried Kracauers Gedanke, dass im Film die Kamera Dinge freilegt, die dem bloßen Auge verborgen bleiben würden (also hier: das Innenleben), bekommt in „LifeHack“ eine ganz neue Tragweite.

Diese Liebe zur Form – die aufgrund des zwangsläufig digitalen Looks jedoch mitnichten erinnerungswürdige Shots enthält – geht nicht zulasten des Plots. Kann ein Online-Einbruch wirklich so spannend sein wie ein klassischer Heist-Film? Wenn man es so wie hier anstellt, ist die Antwort ein ganz klares Ja. Trickst „LifeHack“ gegen Ende zwar etwas, um doch noch mehr die echte Welt einfließen zu lassen, zerrt er durchweg an den Nerven. Man muss sich auf Dauerstress einlassen – und zwar im besten Sinne.

Fazit

Mit „LifeHack“ inszeniert Ronan Corrigan einen hochspannenden Heist-Film, der konventionelle Verfolgungsjagden mit dem Erbeuten von digitalen Daten ersetzt. Ist das Ende zwar etwas zu unentschlossen, setzt der Film seine Screenlife-Form geschickt ein, um die Internetwelt adäquat zu bebildern und auszustellen. Es ist dabei die tiefsitzende Menschlichkeit der Protagonisten, die die rationalen Binärzahlen übertrumpft und nicht zuletzt vor einer neuen Einsamkeit warnt.

Bewertung

Bewertung: 8 von 10.

(78/100)

FilmdatenLifeHACK
OriginaltitelLifeHack
ProduktionslandGroßbritannien / USA
Produktionsjahr2025/2026
GenreThriller, Krimi, Heist, Screenlife
RegieRonan Corrigan
DrehbuchRonan Corrigan, Hope Kemp
KameraCiaron Craig
ProduktionTimur Bekmambetov, Aleksandr Kletsov, Joann Kushner
DarstellerGeorgie Farmer (Kyle Peters), Yasmin Finney (Alex Kemp), Roman Hayeck-Green (Sid Daniels), James Scholz (Petey Le), Jessica Reynolds (Lindsey Heard), Charlie Creed-Miles (Don Heard)
Laufzeit97 Minuten
Kinostart Deutschland, Österreich10. September 2026
PremiereSXSW 2025
Verleih DeutschlandStudiocanal

Bilder: (c) Bazelevs Entertainment Limited / Screenlife Liverpool Limited – Studiocanal