Mit „Animals“ legt Ben Affleck („Air“) in seiner neuen Regiearbeit einen Thriller über politische Ambitionen, familiäre Geheimnisse und moralische Verantwortung vor. Was zunächst wie das Porträt eines idealistischen Bürgermeisters – gespielt von Affleck selbst – wirkt, entpuppt sich schnell als verworrene Geschichte, in der nicht alles so ist, wie es scheint. „Animals“ ist seit 9. Oktober 2026 auf Netflix zu streamen.
Kritik von Vanessa Balonier
Der Anwalt Mark Kimball (Ben Affleck) kandidiert als „Independent“ für das Bürgermeisteramt von Los Angeles und investiert sein gesamtes Vermögen in den Wahlkampf. In seiner Kampagne präsentiert er sich als nahezu makelloser Politiker, der die Stadt verbessern und für ihre Bewohner einstehen möchte. Doch hinter der Fassade sieht es anders aus, denn seine Frau Abigail (Kerry Washington) hat eine Affäre und überlegt, ihren Mann zu verlassen.
„Animals“: Dramaturgisch fehlerhaft, visuell stark
An Halloween geht ihr gemeinsamer Sohn Denny zusammen mit ihrer Haushälterin Cecilia, deren neuem Freund und dessen Sohn Hector zum „Trick’n’Treat“ von Tür zu Tür. Während sie noch unterwegs sind, bekommen die Kimballs einen Anruf eines vermeintlichen Entführers: Er habe Denny in seiner Gewalt und will 7 Millionen $.
Um das Geld aufzutreiben, wird die undurchsichtige Vermittlerin Dayle Burton (Gillian Anderson) engagiert. Indes stellt sich heraus, dass die Entführer aus Versehen nicht Denny, sondern Hector gekidnappt haben. Ein Wettlauf gegen die Zeit und ein Ringen um die (moralisch) richtige Entscheidung beginnt.
Dramaturgisch braucht „Animals“ zunächst etwas Anlauf. Die etablierte Ausgangssituation wirkt stellenweise vorhersehbar, und auch das erste Gespräch mit dem Entführer bleibt überraschend blass. Visuell überzeugt der Film dagegen durch satte Farben, dynamische Kamerafahrten und hochwertige Aufnahmen von Los Angeles. Besonders während der Telefonate erzeugt die bewegliche Kamera eine unmittelbare Nähe zum Geschehen, der Effekt wird im Laufe des Films immer wieder eingesetzt. Der Schnitt könnte stellenweise allerdings flüssiger ausfallen.

Ein moralisches Dilemma im Zentrum
Im weiteren Verlauf gewinnt die Geschichte zunehmend an Spannung, als sich die Machtverhältnisse zwischen den Kimballs und dem Entführer verschieben und dadurch neue Ungewissheiten entstehen. Interessant ist dabei, wie „Animals“ das moralische Dilemma der Figuren darstellt: Im Rahmen der Erwägungen, was nun „der richtige Weg“ ist, treffen persönliche Entscheidungen mit politischen Interessen zusammen und die Frage wird aufgeworfen, wie weit Menschen für ihre eigenen Überzeugungen und Ziele zu gehen bereit sind.
Gegen Ende lebt „Animals“ vor allem von den Dialogen, dem Zusammenspiel der Figuren und Ben Afflecks schauspielerischer Leistung, insbesondere in den Szenen mit Kerry Washington. Zum Finale zieht die Spannung noch einmal an, auch wenn sich die Geschichte insgesamt etwas eleganter hätte umsetzen lassen.
Fazit
„Animals“ ist ein visuell überzeugender Thriller, der seine dramaturgischen Schwächen im Verlauf teilweise ausgleichen kann. Nicht jeder Handlungsstrang überzeugt gleichermaßen, doch die Verbindung aus Familiendrama und Entführungsthriller vor dem Hintergrund politischen Kalküls sorgt für eine interessante Ausgangslage.
Bewertung
(68/100)
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„Animals“ – Filmdaten
- Originaltitel: Animals
- Genre: Thriller, Krimi, Drama
- Regie: Ben Affleck
- Drehbuch: Ben Affleck, Billy Ray, Connor O. McIntyre
- Darsteller: Ben Affleck, Kerry Washington, Gillian Anderson, Steven Yeun, Adriana Paz
- Produktionsland: USA
- Erscheinungsjahr: 2026
- Laufzeit: 106 Minuten
- VÖ: 9. Oktober 2026 – Netflix
Bilder: (c) Netflix
