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Ein 90-minütiger Selbstmord: Kritik zu „Suicide Tourist“

Was macht man, wenn man sein Leben beenden möchte? Sprung von der Brücke, Kugel in den Kopf, Seil um den Hals oder Stein ums Bein und ab ins Wasser? Mit diesen Fragen quält sich Max (Nikolaj Coster Waldau) herum, als er erfährt, dass der Tumor in seinem Hirn wächst und wächst, und es keine Heilung gibt. Seine Partnerin kümmert sich zwar rührend um ihn, doch eine lähmende Apathie ergreift immer mehr Besitz von Max, der dem ganzen ein Ende setzen will, bevor sich sein Zustand noch weiter verschlechtert, und er sich selbst im Spiegel nicht mehr erkennt. Per Zufall erfährt er von einer Klientin (er ist Versicherungsmakler) von einem „Hospiz-Hotel“ in der norwegischen Arktis, das offenbar „begleiteten Suizid“ anbietet. Max macht sich auf den Weg, ohne seinen Lieben Bescheid zu geben, und checkt in die luxuriöse Absteige ein, die seine letzte Ruhestätte werden soll. Doch bald merkt er, dass hier nicht alles ist, wie es scheint.

von Christian Klosz

Es wird ausgesprochen wenig gesprochen in „Suicide Tourist“. Und es passiert auch nicht viel, was weniger an der knappen Laufzeit von nicht einmal 90 Minuten liegt, sondern an der kaum elaborierten Story. Damit kann man leben, doch das große, wirkliche Problem des Films ist, dass er sich nicht entscheiden kann, was er denn sein möchte: Rührendes (Liebes-)Drama, präziser „Problem-“ und Aufklärungsfilm oder doch packender Mystery-Thriller? „Suicide Tourist“ enthält all diese unterschiedlichen Schattierungen, aber der Mix ergibt kein schlüssiges Ganzes. Zu essayistisch, zu entwurfartig wirkt das fertige Werk; man hätte sich für eine Richtung entscheiden und die dann auch gern etwas ausführlicher beleuchten sollen.

Stattdessen beobachten wir am Anfangs einen schwer depressiven Mann, lebensmüde, der seiner eher aussichtslosen Existenz ein schnelles Ende setzen will. Ihm fehlt der Mut zum letzten Schritt, und das mysteriöse „Aurora“-Hotel erscheint ihm als die ideale, finale Exit-Strategie. Dass der Film dann plötzlich Richtung Thriller abbiegt, wirkt wenig logisch und nachvollziehbar, man mag mutmaßen, dass Regisseur Jonas Alexander Arnby etwas Spannung und Tempo in den sonst eher lethargischen Film bringen wollte.

Aber nicht alles ist schlecht an „Suicide Tourist“: Hauptdarsteller Coster Waldau sieht man gerne zu, er spielt seinen sensiblen Selbstmordkandidaten Max extrem zurückgenomen, aber glaubwürdig. Auch atmosphärisch ist der Film dicht (wenngleich das die dünne Story leider nicht kompensieren kann), und der Soundtrack kann sich durchaus hören lassen. Regisseur Arnby gelingen auch immer wieder schöne Aufnahmen von der eisigen Natur Norwegens.

Fazit:

Trotz allem: „Suicide Tourist“ verschenkt sein vorhandenes Potential, weil er sich nicht entscheiden kann, in welche Richtung es tonal gehen soll. Für einen kompakten Genre-Hybrid ist die Laufzeit zu kurz und der Plot zu dünn, die beiden Pole „Drama“ – „Thriller“ finden keine schlüssige dramaturgische Verknüpfung. Die atmosphärische Inszenierung, der tolle Soundtrack und die schönen Landschaftsaufnahmen entschädigen etwas für diese Mankos, aber hier wäre doch um einiges mehr drinnen gewesen. Schade.

Bewertung:

Bewertung: 3 von 5.

(61/100)

„Suicide Tourist“ startet am 3.7. in Österreichs Kinos.

Bilder: © Filmladen Filmverleih

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