Es war die Story dieser Tage: Das Hollywood-Studio Warner plant im Jahr 2021 alle Filme parallel im Kino und auf dem hauseigenen Streamingdienst HBO Max zu veröffentlichen – ab der 2. Jahreshälfte auch bei uns (Detail & Hintergründe kann man HIER nachlesen). Doch der Megakonzern scheint die Rechnung ohne seine prominenten Regisseure gemacht zu haben, denn es regt sich Widerstand, und was für einer: „Dune“-Regisseur Denis Villeneuve (sein Film soll Ende 2021 veröffentlicht werden) zeigte sich wenig erfreut über den Schritt des Verleihs, es hält es für unumgänglich, seinen Film bevorzugt im Kino zu zeigen. Auch „Guardians of the Galaxy“-Macher James Gunn ist enttäuscht über die „lustlose Formel“, nach der den Filmemachern ihre Einnahmenverluste vergütet werden sollen.

Doch die derzeit wohl gewichtigste Stimme des Mainstream-Kinos und zudem seit fast 20 Jahren Warners Blockbuster-Zugpferd Nummer eins fährt verbal noch ganz andere Geschütze auf: Christopher Nolan, der seit „Insomnia“ all seine Filme bei dem Verleih gedreht hat, kritisiert seinen Arbeits- und Geldgeber aufs Schärfste:

„Einige der größten Filmemacher und wichtigsten Filmstars gingen nachts im Glauben ins Bett, für das großartigste Filmstudio der Welt zu arbeiten – und wachten am nächsten Tag auf, um herauszufinden, dass sie für den schlimmsten Streaming-Anbieter arbeiten.“ sagte er in einem Interview mit dem Hollywood Reporter. Die Entscheidung ergebe auch keinen ökonomischen Sinn, so der Starregisseur, und jeder Gelegenheits-Wall-Street-Investor könne den Unterschied zwischen „Disruption“ und „Dysfunktion“ sehen.

In einem Interview mit Entertainment Tonight wird Nolan noch ausführlicher. Wie er erzählt, hat ihn die Nachricht über die geplanten Parallel-Veröffentlichungen fassungslos gemacht, vor allem die Art und Weise, wie sie verkündet wurden. Es habe keine Rücksprache mit den Filmemachern gegeben, deren Werke betroffen seien und die teils jahrelang für ihre Projekte gekämpft und an ihnen gearbeitet hätten. Sie hätten es verdient gehabt, dass man sich mit ihnen darüber spricht, was mit ihrer Arbeit passieren sollte.

Trotzdem glaubt Nolan langfristig gesehen an das Kino, und er denkt auch, dass die derzeit „kurzsichtig“ agierenden Studios das eigentlich wüssten. Was man im Moment sehe, sei, dass viele die Corona-Pandemie als Vorwand benutzen, um einen kurzfristigen Vorteil zu erringen, was sehr bedauerlich sei. Nolan ist sich dennoch sicher: Die Leute lieben es, ins Kino zu gehen, und sie werden auch wieder ins Kino strömen, sobald sich die Corona-Lage entspannt hat. (ck, red)

Titelbild: Fotomontage (c) filmpluskritik