„Sylvies Liebe“ – Ein Titel wie einer dieser Dreigroschenromane, die man gerne einmal auf Drehständern in Bahnhöfen findet: Auf dem Cover eine schmachtende Frau, ein reinrassiger Mann und schon ist die Hausfrauenphantasie komplett. Doch um so eine Art von Film handelt es sich bei dem neuen Amazon-Original, welches seit kurzem auf Prime verfügbar ist, nicht. Das macht einem bereits der Trailer sehr schnell klar. Dort werden einem die sehnsüchtigen Blicke zwar auch im Minutentakt um die Ohren geworfen, allerdings ist im Hintergrund ein melodisches Jazzstück zu hören. Schon werden Erinnerungen an „La La Land“ wach, auch wenn es sich bei „Sylvies Love“, so der Originaltitel, um kein Musical handelt, und die Neugier ist zumindest einmal geweckt.

von Mara Hollenstein-Tirk

Auf eine rührende Geschichte untermalt von einem swingenden Soundtrack hoffend begibt man sich also vor den Fernseher und muss leider feststellen, dass hier nicht nur eindeutig mehr Augenmerk auf das Drama denn auf die Musik gelegt wurde, sondern die einzelnen Plotpoints auch noch ziemlich vorhersehbar sind. Wo man sich anfänglich noch eine Prise Realismus erhofft, wird das Geschehen allzu schnell mit dem rosa Zuckerguss überzogen. Der ein oder andere Stolperstein vermag dabei zu keiner Sekunde die heile Welt wirklich zu zerstören, ist das Hinarbeiten auf das große Happy End doch von Anfang an viel zu offensichtlich.

Aber gut, all das könnte man ja noch hinnehmen, es mit dem Gedanken: „Fans von Liebesfilmen werden hier wahrscheinlich ihren Spaß haben“, abtun. Weniger leicht weg zu lächeln, egal wie viele Cosmopolitans man sich vorher auch gegönnt hat, ist eine Sache, die den Todesstoß für einen jeden Film dieses Genres bedeutet: Dem Paar in spe in „Sylvies Liebe“ fehlt es schlicht und ergreifend an der richtigen Chemie. Während Tessa Thompson als aufgeklärter Freigeist mit Ambitionen ihr bestes gibt, um freundlich und einnehmend zu wirken, versagt ihr Konterpart, gespielt von Nnamdi Asomugha, bei dem Versuch leider kläglich. Schweigsam und mysteriös ist das eine, maulfaul und unsympathisch das andere. Ob nun das Drehbuch schuld hat, oder Asomugha einfach nicht in die Rolle gefunden hat, ändert dabei nichts am Resultat: Der Funke will einfach nicht überspringen.

Doch selbst dies könnte man vielleicht noch irgendwie herunterschlucken, würden sich nicht noch eine paar weitere Stolpersteine, die die Handlung an sich betreffen, finden. Da wäre einerseits eine doch recht fragwürdige Sicht auf die und Einstellung zur Liebe, die schließlich in einer Message gipfelt, die zwar in die Zeit zu passen scheint, in welcher der Film spielt, aus heutiger Sicht aber reichlich angestaubt wirkt – da täuscht auch das eingestreute Female Empowerment eher schlecht als recht darüber hinweg. Andererseits kämpft „Sylvies Liebe“ aber auch mit seinem holprigen Erzähltempo: Während einmal Jahre vergehen, die sich lediglich wie ein paar Monate anfühlen, vergehen an anderer Stelle Monate, die man als Zuschauer für Jahre hält. Diese Dissonanz sorgt dafür, dass sich die aufgebaute Welt nicht stimmig anfühlt. Und wo wir gerade bei Dissonanz sind: Für einen Film, der einen Jazz-Saxofonisten zu einer seiner Hauptfiguren kürt, ist die Musik bei weitem nicht so kraftvoll eingesetzt, wie sie sein könnte. Gerade zu Beginn ist dies ganz wörtlich zu nehmen, scheinen hier doch die Toningenieure ein wenig geschlafen zu haben, was den Soundmix betrifft, da das erste Konzert viel zu leise abgemischt wurde.

Fazit:

So verliert sich die Hoffnung auf eine berührende Liebesgeschichte, abseits von Kitsch und Klischees, allzu schnell. Anstelle einer Indieperle ist „Sylvies Liebe“ also eher eine Schnulze, die zwar noch immer ihr Publikum finden wird, allerdings so viel mehr sein hätte können als das nächste Sandkorn am Genrestrand, das wahrscheinlich schon nach ein paar Tagen vom Meer des Vergessens hinfort gespült werden wird. Seit 23.12. auf Amazon Prime.

Bewertung:

Bewertung: 4 von 10.

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Bild: (c) Amazon Studios