Shia LaBeouf ist dem allgemeinen Sprachgebrauch nach wohl das, was man am ehesten als „Typ“ bezeichnet. Wenn der US-Amerikaner nicht gerade den ganzen Tag im Kino sitzt um seine eigenen Filme zu schauen oder vor laufender Kamera ungenießbar scharfe Chickenwings verzehrt, findet man ihn möglicherweise beim Zahnarzt oder beim Tattoowierer. Ließ er sich für seine Rolle in „Fury“ bereits einen Zahn ziehen und eine Narbe verpassen, verschönerte er für seine Performance in „The Tax Collector“ seinen gesamten Oberkörper mit einem riesigen Tattoo, welches man im Film genau ein einziges Mal zu Gesicht bekommt.

von Cliff Brockerhoff

Engagement und Hingabe für seine Rollen sind also ungebrochen, doch mitunter ist die Wahl der zu verkörpernden Figuren nicht weniger speziell. Hier reiht sich auch Creeper, seines Zeichens – der Titel nimmt es vorweg – Steuereintreiber von Beruf, nahtlos in die bereits illustre Reihe ein. In seiner Funktion unterstützt er David, den einflussreichen Handlanger eines noch mächtigeren Gangsterbosses, beim Tagesgeschäft und hat sich durch sein kompromissloses Handwerk den Ruf des „Teufels“ verdient. Die Amputation von Körperteilen, das Auflösen von Menschen in Säurebädern oder die Auslöschung kompletter Blutlinien – Creeper ist sich für nichts zu fein. Warum? Um für einen Moment Gott zu spielen.

Der Fokus der Handlung liegt aber nicht auf ihm, sondern vielmehr auf einer Fehde innerhalb des Milieus. Die Rückkehr eines lange untergetauchten Gangsters löst einen wahren Erdrutsch aus, dem auch David und seine Familie schutzlos ausgeliefert zu seien scheinen. Nach anfänglichem Schlagabtausch nimmt die Auseinandersetzung schnell übergreifende Ausmaße an, zieht auch den furchtlosen Creeper mit in den Abgrund und entwickelt sich im Endeffekt genau so, wie es von Anfang befürchtet werden musste. Emotionale Griffigkeit sucht der Zuschauer vergebens, stattdessen wird in thematisch angepassten Dialogen viel von „abgefuckten motherfuckern“ berichtet, die ihre Stellung behaupten müssen um ihre Familie zu schützen. Inhaltlich sicherlich akkurat, aber das klischeebeladene Gefasel kratzt hier und da auch schon mal an der Grenze des Erträglichen. Dabei sind die Vorzeichen des Films gar keine schlechten.

An einer Stelle des Drehbuchs hätte sich gar die Chance geboten das Potenzial entweder in einen knallharten Actionthriller umzumünzen oder etwas tiefer zu graben und die Beweggründe, Machtstrukturen und thematischen Hintergründe kritisch zu hinterfragen. „The Tax Collector“ entscheidet sich halbherzig für einen Mittelweg. Einerseits driftet das Visuelle stellenweise ins Brutale ab, zeigt schonungslose, stumpfe Gewalt, will andererseits aber auch die emotionale Komponente etablieren. Dieser Zwiespalt gelingt mehr schlecht als recht, denn gerade hinsichtlich einiger Entscheidungen der handelnden Charaktere bleibt vieles nicht nachvollziehbar. Wo der Ausweg dem Zuschauer logisch und naheliegend erscheint, führt der Film über Umwege doch zu dem, was vermeidbar schien.

Doch kein Burrito wird so heiß gegessen wie er zubereitet wird, und so ist auch Ayers‘ Ausflug in die Welt der mexikanischen Straßenkriminalität nicht so ernüchternd, wie diese Zeilen anmuten. Inszenatorisch kann der Film durchaus überzeugen, und wer sich der Ausrichtung in irgendeiner Art und Weise verbunden fühlt, kann über die holprige Handlung hinwegsehen und sich am dreckigen Charme und dem heftig ausschlagenden Gewaltgrad ergötzen. Schauspielerisch ist das Ganze ebenfalls ordentlich, auch wenn das qualitative Gefälle im Cast spür- und sichtbar ist. Besonders gut wird der Film bezeichnenderweise immer dann, wenn er an Dialog spart, seiner Atmosphäre den Vortritt lässt und sich auf das besinnt, was wohl irgendwann einmal die eigentliche Intention war: ein authentischer Einblick in eine uns, zum Glück, ferne Welt.

Fazit

Auch wenn Shia LaBeouf im Film angibt zehn Pfund abgenommen zu haben und dies angesichts seiner hageren Erscheinungsform durchaus glaubhaft scheint, ist er es, der „The Tax Collector“ auf seinen schmalen Schultern trägt. Die Handlung ist zwar trotz allem dünner als verwässerter Tequila und insgesamt ist deutlich Luft nach oben, aber seine Präsenz treibt dem Film zumindest einige Extrapunkte ein – in etwa so, wie sein Charakter es eben mit den Steuern tut. Warum das Tattoo auf dem Oberkörper aber nun nötig war, weiß wohl nur der Gott, mit dessen Urteil sich Creeper längst abgefunden hat. Ab sofort als BluRay oder DVD erhältlich, alle Infos dazu könnt ihr hier nachlesen.

Bewertung

Bewertung: 5 von 10.

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Bilder: ©Universal Pictures

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