Es waren lange Tage und Nächte, einst, als die Videospiel-Reihe „Mortal Kombat“ tausende Jugendliche weltweit in ihren Bann zog. In einer Mischung aus dem Reiz am Verbotenen und der simplen Spielmechanik zog Stunde um Stunde ins Land, immer auf der Suche nach der nächsten Tastenkombination, die eine noch blutigere Aktion der Spielfigur nach sich zog. Unbeschwerte Zeiten, an die man sich auch, oder gerade als Erwachsener gerne erinnert.

von Cliff Brockerhoff

Beinahe 30 Jahre ist es her als der erste Teil der Antwort auf Street Fighter das Licht der Welt erblickte. Was folgte sind zahlreiche Erweiterungen des Franchises, nicht nur im Spiele-Segment. 1995 erschien die erste filmische Adaption, die Fanherzen höher schlugen ließ. Der zweite Teil und alles was danach erschien, war allerdings kaum der Rede wert. Kein Wunder also, dass nun ein kompletter Reboot erscheint, der Vorangegangenes hinter sich lässt und der Reihe einen neuen, blutroten Anstrich verpassen soll.

Alles neu macht der Mai? Nicht ganz, denn schon zu Beginn begegnen wir altbekannten Charakteren, die das Flair von damals aufleben lassen. Umrahmt von kraftvollen Farben sind die ersten fünfzehn Minuten der getrocknete feuchte Traum eines jeden Fans, überraschen mit stilvoll gewählter Szenerie, einer ungeahnten Ernsthaftigkeit und leiten ein in eine Story, die dann wiederum auf einen Analog-Stick passt. Die Welt steht wieder einmal vor dem Ende, die Krieger der Außenwelt konnten 9 von 10 Aufeinandertreffen für sich entscheiden und der nächste Triumph besiegelt das Schicksal des Erdenreichs. Obsiegen die Krieger ein weiteres Mal, steht der Menschheit die Unterjochung bevor. Es braucht also neue Helden, die ebenjenes Szenario abwenden.

Eine bierernste Thematik, die dann allerdings schnell auf eine andere Zielgruppe angepasst wird. Statt kompromisslosen Fights erhält der beschwingte Humor Einzug. Die Sprüche sitzen folglich lockerer als jede zu stark beanspruchte Gamepad-Taste, und mitunter wirkt das Ganze so als wäre man Zeuge eines Teenie-Abenteuer-Films – nur eben in blutiger Ausführung. Doch keine Sorge, einige Punchlines treffen sogar ins Schwarze, und um die Hosen der Zuschauerschaft schön feucht zu halten, gibt es im Minutentakt neue, alte Helden zu bestaunen. Und sie sind alle dabei: Sub-Zero, Raiden, Kano, Jax, Kung Lao und viele mehr geben sich die Klinke in die Hand, dürfen ihr Moveset präsentieren und machen eben das, was sie am besten können: kämpfen. An der Schauspielkunst hapert es nämlich größtenteils gewaltig. Diese stumpf aneinandergereihte Erzählweise wirkt zuweilen holprig, ist aber zumindest zielführend; auch wenn das Ziel des Öfteren munter wechselt.

Denn zur eigentlich angestrebten, titelgebenden Klimax kommt es letztlich gar nicht, zumindest nicht so richtig. Stattdessen wird der Betrachter mit bis zur Unkenntlichkeit geschnittenen Kampfszenen überflutet, die im Kontrast zur tendenziell ruhig etablierten Story stehen, die streng genommen eigentlich gar keine ist. Warum sämtliche Choreografien im Schnittraum so hektisch verwurstet wurden bleibt ein Rätsel, ebenso wie viele Dialoge und Charakterentscheidungen. Logik sucht man im Schnittgewitter vergebens. Als beispielsweise einer der Helden vor den Augen seiner Familie mit einem vierarmigen Oger-Double fightet, ihm währenddessen eine goldene Rüstung am Körper wächst und am Ende ungewöhnlich viele Eingeweide den Boden schmücken, fällt der Tochter im darauffolgenden Gespräch nur ein, dass die Rüstung ja „ziemlich cool“ sei. Okay. Emotionale Verbindungen versickern so natürlich wie Blut im Sand, doch hier liegt, wenig überraschend, auch nicht der Fokus des Films. Dieser hat, und das zeigt nicht erst die letzte Einstellung, viel größeres im Sinn – insbesondere finanziell.

Fazit

Den Totalausfall der inhaltlichen Komponente ausgeklammert ist „Mortal Kombat“ schön anzusehender Fan-Service, der alte Fehden in computerblutgetränkten Bilder aufleben lässt und Anhänger der Reihe glückselig zurücklassen wird – Neulingen aufgrund des nostalgischen Nackenschlag aber auch schnell einen K.O. versetzt. Kein flawless victory also, den ein oder anderen Fatality zaubert einem der Film dennoch in die Backentaschen. Wer bis dato keinen Schimmer hat worum es hier überhaupt geht, muss leider zwei Sterne abziehen. Der Film ist ab dem 13. Mai bei allen gängigen Streamingportalen (z.B. bei Amazon Prime Video) käuflich zu erwerben und erscheint voraussichtlich am 22. Juli auf BluRay und DVD.

Bewertung

Bewertung: 6 von 10.

(58/100)

Bilder: ©Warner Bros. Pictures

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