Im Zuge der #metoo-Bewegung kamen zahlreiche, meist männliche Hollywood-Stars unter Verdacht. Gegen manche gab es ganz konkrete, belegbare Vorwürfe, gegen andere schwer nachzuweisende Anschuldigungen, auch reichte die Palette von „sexuellem Missbrauch“ und „Nötigung“ bis hin zu „Belästigung“ oder „Sexismus“. Inzwischen, einige Jahre danach, zeigen sich die Probleme solcher über Social Media geführter Kampagnen: Einer der ersten Angeklagten – und einer der Fälle, in denen man von glasklaren Indizien ausging -, Bill Cosby, wurde inzwischen wieder freigelassen. Andere, denen man juristisch zwar nichts nachweisen konnte, haben inzwischen ihr Standing und Jobs in Hollywood trotzdem verloren wie Kevin Spacey.

Ein Sonderfall ist jener Johnny Depps, der sich als besonders verworrene Angelegenheit darstellt: Seine Beziehung mit Amber Heard dürfte jedenfalls toxisch gewesen sein, für beide Parts. Wer nun der „Urheber“ des Übels war, lässt sich von außen nicht beurteilen. Gerichtlich wurde Depp jedenfalls nicht verurteilt, gegen ihn liegen auch keine anderen (wie das in vielen weiteren Fällen ist) Anschuldigungen von Frauen vor, die ähnlich klingen würden. Im Gegenteil: Ex-Partnerinnen des Mimen sagten vor Gericht zu seinen Gunsten aus. Trotzdem haftet ihm der „Makel“ des „Beschuldigten“ und „Frauenschläger“ an, der ihm bereits einige Rollen gekostet hatte und neue Engagements erschwert.

In einem neuen Interview nahm Depp nun dazu erstmals selbst Stellung und beklagt, von Hollywood „boykottiert“ zu werden. Grund für diese Behauptung ist die Veröffentlichung seines neuen Films „Minamata“ (zur Kritik). Darin spielt der 58-Jährige den Fotografen W. Eugene Smith, der in den frühen 1970er-Jahren über die Quecksilbervergiftung einer japanischen Dorfgemeinde berichtete. Am Freitag feierte der Film in Großbritannien und Irland Premiere. Ein Starttermin für die USA steht derweil bislang nicht fest. Depp befürchtet, dass der Film wegen seiner persönlichen Probleme keine Aufmerksamkeit bekäme und „vergraben“ wird.

Depp stößt das auch aus anderen Gründen sauer auf. Er sieht das Vertrauen der Opfer von Minamta missbraucht, wenn der Film nicht oder nur eingeschränkt im Kino gezeigt wird. „Wir haben diesen Leuten in die Augen geschaut und versprochen, dass wir sie nicht ausbeuten werden. Dass der Film respektvoll sein würde. Ich glaube, dass wir unseren Teil der Abmachung eingehalten haben, aber diejenigen, die später dazukamen, sollten auch ihren Teil einhalten. Manche Filme berühren die Menschen. Und das betrifft die Menschen in Minamata und Menschen, die Ähnliches erleben.“

Seine eigenen Probleme seien im Vergleich zu den Vergiftungsopfern oder auch Menschen, die an COVID litten, „wie der Kratzer eines Kätzchens“. Dennoch bezeichnete er seinen Sturz in die Hollywood-Ungnade als „Absurdität der Medienmathematik“. (ck)

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