Netflix befindet sich in der Zwickmühle: Ein neues Gesetz in Russland zwingt den Streamingdienst, der sein Angebot dort erst seit ca. einem Jahr anbietet, reguläre TV-Sender in sein Programm aufzunehmen. 20 russische Sender müssen ausgestrahlt werden, darunter auch News-Kanäle, die bekanntlich vom Kreml gesteuert werden und einseitig über den Ukraine-Krieg berichten. Laut offiziellen Darstellungen in den Staatsmedien ist Ukraine bzw. der Westen „Aggressor“, Russands Invasion sei eine „Selbstverteidigungsmaßnahme“.

Die Regelung trat gestern in Kraft, Netflix war bereits im Dezember darüber informiert worden. Offenbar hatte der Streamingdienst an sich vor, sich dem Gesetz zu fügen. In Anbetracht der aktuellen Entwicklungen will man sich aber dagegen wehren. „Angesichts der derzeitigen Situation planen wir nicht, diese Fernsehsender unserem Angebot hinzuzufügen“ sagte eine Unternehmenssprecherin dazu.

Welche Konsequenzen Netflix nun winken, ist unklar. Die Regulierung betrifft theoretisch nicht nur Netflix. Nach der in Russland auch als Vitrina-TV-Gesetz bekannten Regelung muss jedes Audio- oder Videoangebot mit mehr als 100.000 Zuschauern in Russland auch die 20 Pflichtsender anbieten. Netflix hat dort also mindestens 100.000 Abonnenten, laut Insidern liegt die Zahl aber unter 1 Million. Es ist durchaus möglich, dass der Streamingriese in Russland demnächst verboten wird, sollte man sich weiterhin weigern, den gesetzlichen Forderungen nachzukommen. (ck)

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