Ein schwerreicher Millionär und Unternehmer schlittert zu seinem achtzigsten Geburtstag in eine Lebenskrise. Er will, dass man sich an ihn erinnert, etwas Großartiges, Prestigehaftes schaffen. Und wenn es schon keine Brücke mit Widmung wird, dann finanziert man halt eben einen Film. Aber nicht irgendeinen, nein. Den besten Film aller Zeiten!

von Christoph Brodnjak

Und so wendet sich der Millionär (José Luis Gómez) an die exzentrische sowie brillante Regisseurin Lola Cuevas (Penélope Cruz). Sie hat ein Buch ausgewählt, die Geschichte zweier Brüder, gezeichnet von Rivalität und Wettstreit. Als ihre zwei Stars denkt sie an die beiden Größen der Schauspielkunst Félix Rivero (Antonio Banderas) und Iván Torres (Oscar Martínez). Doch sie warnt den Financier vor, sie ist Künstlerin, und der teuer gekaufte Buchstoff wird eher nur sehr lose adaptiert werden.

Mit einem Setup wie diesen erwartet man eigentlich eine klassische Satire über das Filmemachen, den ewigen Konflikt zwischen der Kunst und dem lieben Geld, zwischen Regisseurin und den Produzenten. Doch in „Der beste Film aller Zeiten“ kommt es anders. Satire: ja. Aber anstatt auf die gesamte Filmproduktion konzentriert sich der Film rein auf die Dreiecksbeziehung der beiden Schauspieler und der Regisseurin während der Probenzeit. Lola Cuevas ist der Inbegriff des klassischen Auteurs, exzentrisch, detailverliebt, mit unkonventionellen Methoden und Geschmäckern. Felix ist ein klassischer Filmstar, ein Macho durch und durch, egomanisch und sehr stolz auf seine vielen Auszeichnungen. Währenddessen arbeitet Iván der Kunst wegen, er kennt und lebt seine Charaktere, ist Schauspiellehrer und würde sogar so weit gehen, seinen Oscar abzulehnen. In aller Öffentlichkeit natürlich, versteht sich.

Mit diesen drei Archetypen der Künstlernatur spielt „Der beste Film aller Zeiten“ auf durchwegs unterhaltsame und teilweise brüllend komische Weise. Keiner der beiden Männer lässt je eine Gelegenheit aus, dem anderen eine reinzudrücken und die Regisseurin tut alles, um aus den beiden die gewünschten Resultate herauszukitzeln. Alle beteiligten Schauspieler feuern aus allen Rohren, insbesondere Penélope Cruz geht in ihrer Rolle völlig auf. Und obwohl es sich bei den Charakteren wie gesagt um Archetypen handelt, sind sie keineswegs eindimensional. Der Film setzt immer wieder pointierte Akzente, um beispielsweise etwaige Scheinheiligkeiten eines Charakters aufzuzeigen. So beschwert sich der eine über die Abgehobenheit des anderen, das von ihm achtlos weggeworfene Glas darf trotzdem die Putzfrau aufkehren.

Beinahe der gesamte Film spielt sich im Domizil der Regisseurin ab, wo die drei ihre Proben haben. Die Räume sind oft kahl, leer, brutalistisch, mit einzelnen Akzentfarben in Form von steinernen Wänden. Der Film ist dabei sehr schön anzusehen, oftmals bewegen sich die Charaktere durch große leere Totalen oder drohen in den kahlen Räumen zu verschwinden. Ein wichtiges Element ist hier neben den Bildern auch der Ton und das Sounddesign. Die Dialoge sowieso.

Ständig in einer hyperrealistischen Meta-Welt navigierend, gelingt es „Der beste Filme aller Zeiten“ zwei Stunden durchwegs zu unterhalten. Rein das Ende, das sich doch etwas zieht, könnte manche ins Straucheln bringen. Durch die satirische Meta-Brille lassen sich zwei Bewertungen oder Deutungen erkennen. Eine der beiden rundet das Vorhergegangene deutlich besser und zufriedenstellender ab. Die andere dagegen lässt eher einen etwas säuerlichen Nachgeschmack zurück.

Fazit

„Der beste Film aller Zeiten“ ist in jedem Fall einer der unterhaltsamsten des Jahres. Ein brillantes Schauspiel aller Parteien mit einzelnen wirklich wahnsinnig komischen und bissigen Szenen und Momenten. Vielleicht fehlt es ihm an manchen Stellen etwas an emotionalem Tiefgang, was der doch sehr satirischen Ebene des Films geschuldet ist. Und wie man das Ende versteht und auffasst, hat sicherlich auch Einfluss, wie man zu dem Resultat im Ganzen letztendlich steht. Da das Werk trotz seiner schönen Bilder vor allem von Ton und insbesondere vom Dialog und den Performances lebt, ist es auf jeden Fall zu empfehlen, ihn in Originalfassung zu sehen, wo möglich. Ab 1.7. im Kino.

Bewertung

Bewertung: 7.5 von 10.

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Bilder: © 2022 Studiocanal GmbH