Sommer 2025: Die Hitze hebt oder drückt die Stimmung, in Zeiten unnatürlicher Temperaturanstiege und – stürze, Unwetter und Extremwetterereignisse liegen Freud und Leid oft nah beieinander. Auch viele der folgenden 10 „Sommerfilme“ bieten keinen unreflektierten Eskapismus, sondern verquicken geschickt Licht und Schatten, helle Freuden und dunkle Geheimnisse: Von „Der talentierte Mr. Ripley“ (1999) und „Call Me By Your Name“ (2017) über „The Beach“ (2000) und „Midsommar“ (2019) – bis hin zu den Klassikern „La Dolce Vita“ (1960) und „Eis am Stiel“ (1978), für jeden Geschmack ist etwas dabei. Plus: Wo diese Sommerfilme aktuell zu sehen sind.
Die 10 besten Sommerfilme – Edition 2025
„The Beach“ (2000) von Danny Boyle
Beginnen wir mit einem Film, der sowohl Sommer-Traum, als auch -Alptraum ist: Die wunderschönen Bilder aus Thailand sprechen eindeutig für ersteres, wer bei den atemberaubenden Aufnahmen nicht in Urlaubsstimmung kommt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Doch Danny Boyle (nach einem Buch von Alex Garland, die beiden veröffentlichten eben „28 Years Later“) verbindet seine fast paradiesische Idylle mit handfestem Thrill und einer hintergründigen Reflexion zu den Themen Eskapismus, Kollektiv und Faschismus. Als Darsteller überzeugen Leonardo DiCaprio und Tilda Swinton. Unverständlicherweise beim Erscheinen von der Kritik verrissen, kann „The Beach“ inzwischen zurecht als Klassiker bezeichnet werden, ein Film, der mit der Zeit wuchs.
Wo kann man „The Beach“ sehen?
auf Disney+; bei diversen Anbietern als VOD, auf BluRay & DVD
„Call Me By Your Name“ (2017) von Luca Guadagnino
Die Prämisse hört sich eigentlich gar nicht so außergewöhnlich oder spannend an: Ein Drama rund um eine Sommerliebe – das hat man doch eh schon hundertmal gesehen. Die Tatsache, dass es sich diesmal um ein homosexuelles Paar handelt, ist zwar bemerkenswert, sollte heutzutage aber eigentlich auch nicht mehr der ganz große Schocker sein.
Doch „Call Me by Your Name“ schafft es tatsächlich, sich deutlich von der breiten Masse abzuheben. Die Sonne brennt vom Himmel, alle Verpflichtungen liegen auf Eis, die Nachmittage ziehen an einem schattigen Plätzchen oder neben dem Pool vorüber und erst der Abend erweckt die müden Seelen zu neuem Leben: Ein berührendes Gesamtkunstwerk, das eine ergreifende Liebesgeschichte mit einem hervorragenden Coming-of-Age Drama paart – vor der atemberaubenden Kulisse Norditaliens. (mh) -> „Call Me By Your Name“ | Kritik
Wo kann man „Call me by your name“ sehen?
bei Netflix und MagentaTV; bei diversen Anbietern als VOD, auf BluRay & DVD
„Ein gutes Jahr“ (2006) von Ridley Scott
Einer der wohl ungewöhnlichsten Filme von Ridley Scott („Gladiator 2“), der sich sonst eher den Genres Thriller, Science Fiction oder Historienepos verschrieben hat – aber dafür einer seiner schönsten: „Ein gutes Jahr“ ist eine liebevolle Hommage an seine Wahlheimat, die Provence. Russel Crowe gibt den zynischen Londoner Börsenhai, der von seinem Onkel ein Anwesen in Frankreich erbt, es erst so schnell wie möglich loswerden möchte – und sich dann natürlich doch in die französische Landschaft und Marion Cotillard verliebt. Ein im besten Sinne leichter Film voller Sinnlichkeit, Humor und Lebenslust: Der perfekte Sommerfilm eben.
Wo kann man „Ein gutes Jahr“ sehen?
auf Disney+; bei diversen Anbietern als VOD, auf BluRay & DVD
„Midsommar“ (2019) von Ari Aster
Dass es im Sommer nicht nur fröhlich zugehen kann, illustriert dieser verstörende Schocker von Ari Aster, sein zweiter Film nach „Hereditary“ (Kritik): Er entführt die Zuschauer in „Midsommar“ auf ein traditionelles Sommer-Festival in der schwedischen Provinz Hälsingland. Der Regisseur sprengt in den knapp zweieinhalb Stunden nicht nur Köpfe; mit seinen visionären Ideen sprengt er vor allem die manifestierten Grenzen des Genres.
„Midsommar“ pendelt gekonnt zwischen unterschwelligem Horror und nordischer Folklore, und ist bis unter das Dach vollgepackt mit Motiven, Referenzen und inszenatorischen Finessen. Wem seichte Sommerromanzen zu kitschig und reine Sommerfilme zu öde sind, für den ist das die richtige Sommerabend-“Unterhaltung“. (cb/ck) -> Kritik zu „Midsommar“ | Kritik zu Asters „Beau is afraid“ | Infos zu Asters neuem Film „Eddington“
Wo kann man „Midsommar“ sehen?
im „Home of Horror“-Channel; bei diversen Anbietern als VOD, auf BluRay & DVD
„Der talentierte Mr. Ripley“ (1999) von Anthony Minghella
Anthony Minghella gelang das Kunststück, zwei Filme in einem zu vereinen: In der ersten Stunde ist „Der talentierte Mr Ripley“, nach Patricia Highsmith, ein atemberaubendes Porträt Süditaliens, der Strände, der Kultur, des dolce vita und des dolce far niente. In Stunde zwei wandelt sich der Film, seinerseits ein Remake von „Nur die Sonne war Zeuge“, zu einem abgründigen Psycho-Thriller in bester Hitchcock-Manier.
Sehenswert sind beide Hälften, ebenso die überragenden Darstellerleistungen: Vor allem Jude Law überzeugt als attraktiver und charismatischer amerikanischer Snob Dickie Greenleaf, der sich die Welt Untertan macht – und sein Umfeld damit unglücklich. Cate Blanchett legt einen beachtlichen Auftritt hin und Philip Seymour Hoffmann brilliert als Dickies noch arroganterer Kumpel. 2024 veröffentlichte Netflix übrigens die ebenso sehenswerte Serien-Neuadaption „Ripley“.
Wo kann man „Der talentierte Mr. Ripley“ sehen?
bei Paramount+; bei diversen Anbietern als VOD, auf BluRay & DVD

„Before Sunrise“ (2005) von Richard Linklater
Ein herrlich romantischer Film und ein wunderbarer Wien-Film: „Eines langen Tages Reise ins Morgengrauen: Ein Amerikaner und eine Französin lernen sich im Zug von Budapest nach Wien kennen und haben 24 Stunden füreinander Zeit. Was sie erleben, ist eine Affäre mit festgeschriebenem Verfallsdatum. Linklater ist mit Slacker und Dazed and Confused zum Porträtisten der Generation X geworden, jener Leute, für die die Welt weniger Wille als Vorstellung ist. In Before Sunrise interessiert er sich eher für Dinge, die diese Generation mit früheren verbinden, als für das, was sie unterscheidet. Der Film ist nicht zufällig seinen Großeltern gewidmet.“ (Michael Althen – Filmmuseum Wien) Mit „Before Sunset“ und „Before Midnight“ legte Linklater übrigens nahezu gleichwertige Nachfolger nach!
Wo kann man „Before Sunrise“ sehen?
bei diversen Anbietern als VOD, auf BluRay & DVD
„La Grande Bellezza“ (2013) von Paolo Sorrentino
Ein Film über das schöne Leben, die Liebe, und die Leere, die zu viel Schönheit hinterlassen kann: So in etwa könnte man Paolo Sorrentinos betörendes Werk bezeichnen, zugleich eine Hommage an Fellinis „La Dolce Vita“, das den alternden Lebemann Jep (Toni Servillo, „Loro“) in den Mittelpunkt stellt, der es zum „König“ der High Society Roms gebracht hat.
Seit über 40 Jahren frönt er der süßen Dekadenz, bis er Nachricht bekommt, dass seine alte Jugendliebe (seine einzige überhaupt) verstorben ist. Für Jep ist das der Beginn einer Suche nach Sinn und Sinnhaftigkeit hinter all den Dingen, Gesten, Ritualen – und einer Suche nach sich selbst: „Ein melancholisch-träumerischer, hypnotisch-verführerischer Film über Exzess, Dekadenz und das eitle Geschwätz der gehobenen Gesellschaft, der mit einer Fülle glänzender filmischer Miniaturen über Sinn und Sinnlosigkeit des Daseins philosophiert. Zugleich eine filmhistorisch raffinierte Hommage auf Fellinis „Das süße Leben“, die hinter all der Pracht und Schönheit nach Momenten erfüllter Gegenwart fahndet.“ (Filmdienst)
Wo kann man „La Grande Bellezza“ sehen?
auf MUBI; bei diversen Anbietern als VOD, auf BluRay & DVD
„La Dolce Vita“ (1960) von Federico Fellini
Das Original: Fellinis Klassiker mit Marcello Mastroianni als Sensationsreporter, der sich durch das Römer Nachtleben und von Frau zu Frau treiben lässt, ist inzwischen ikonisch – und das nicht nur wegen der berühmten Szene mit Anika Ekberg im Trevi-Brunnen. Bei aller Schönheit ist „La Dolce Vita“ eine Kritik am sinnentleerten, oberflächlichen und dekadenten Leben einer High Society und der Konsumgesellschaft allgemein. Einer Gesellschaft, die sich vor Verpflichtungen drückt und sich in rauschhafte Zustände flüchtet, die die Absurditäten des Alltags erträglicher machen sollen.
Wo kann man „La Dolce Vita“ sehen?
kostenlos bei PLEX, im Arthouse+ Channel und bei LaCinetek

„Der Weiße Hai“ (1975) von Steven Spielberg
Sommer-Thrill, der zweite: Zu diesem Suspense-Klassiker, der kürzlich seinen 50er feierte, muss man nicht viel sagen, so sehr hat er sich ins kollektive Filmgedächtnis eingebrannt: „Der weiße Hai“ initiierte die Hollywood-Karriere Steven Spielbergs, der sich damit als Experte für handwerklich gut gemachte Crowdpleaser hervortat, die ein Massenpublikum ansprachen. Es war auch die Abkehr vom New Hollywood-Credo des puren Autorenkinos und die Hinwendung zu technischen Spielereien mit dem einzigen Zweck, das Publikum bestmöglich zu unterhalten.
„Der weiße Hai“ ist aber auch Synonym und Metapher für eine unsichtbare, unbekannte Gefahr, eine Bedrohung, die unter der Oberfläche lauert und die jeden treffen kann – ein Abbild diffuser Ängste der „ganz normalen Menschen“ also, wie sie Spielberg mehrfach in seinen Filmen be- und verarbeitete. Genial: Der Soundtrack von John Williams. -> Was uns „Der weiße Hai“ zur Klimakrise sagen kann
Wo kann man „Der weiße Hai“ sehen?
kostenlos bei Joyn, auf Netflix und bei MagentaTV, bei diversen Anbietern als VOD, auf BluRay & DVD
„Eis am Stiel“ (1978) von Boaz Davidson
Sommer, Sonne, Spannereien – die Grundzutaten für eine israelische Erfrischung namens „Eis am Stiel„: Für alle, die noch nie einen „Eis am Stiel“ – Film gesehen haben, lässt sich die Handlung (der meisten Teile der Reihe) wie folgt zusammenfassen: Im Tel Aviv der 1950er sind die pubertierenden Schürzenjäger Benny, Bobby und Johnny stets auf der Suche nach der nächsten Party und körperkontaktfreudigen Tanzpartnerinnen.
Benny, der Romantiker des Trios, findet sich in einer glücklichen Beziehung wieder, die aber wegen Unehrlichkeit in die Brüche geht. Letztendlich erobert der jugendliche Liebhaber sein Mädchen zurück und sie leben glücklich bis zur nächsten Fortsetzung. Dazwischen wird gebadet, Bettsport betrieben und zu den heißesten Rock ’n‘ Roll Hits der Ära geswingt.
Aus filmtheoretischer Perspektive bleibt vor allem die kulturelle Signifikanz dieser Filme bemerkenswert, die sich besonders im deutschsprachigen Raum immenser Popularität erfreu(t)en. Gerade Teil 1 beweist neben allem Slapstick, harmlosem soft porn und witziger Geschmacklosigkeiten auch ein Gespür für Romantik: Auch nach über 40 Jahren immer noch ein höchst unterhaltsamer Spaß. (dk, ck) -> Interview mit Sibylle Rauch (aus „Eis am Stiel 3“)
Wo kann man „Eis am Stiel“ sehen?
im FILMLEGENDEN-Channel, bei diversen Anbietern als VOD, auf BluRay & DVD
Weitere Sommerfilm-Tipps:
„Parthenope“ (2025)
„Stand by me“ (1987)
„Falling Down“ (1993)
„Dirty Dancing“ (1987) Kritik
„Monster Summer“ (2025) Kritik
„Die letzte Vorstellung“ (1971)
Was ist euer liebster Sommerfilm? Lasst es uns im Kommentar wissen!
Titelbild: Fotomontage – Der weiße Hai / Midsommar / La Dolce Vita

Der weiße Hai geht immer und Fellini wusste, wie man Filme macht.
Hat dies auf Film plus Kritik – Online-Magazin für Film, Kino & TV rebloggt.
Eine sehr schöne und abwechslungsreiche Auswahl. Für (fast) jeden etwas dabei. Sogar für mich 😊
Oh danke, das freut mich 🙂 Besonders von einem VIP-Leser wie dir 😀 /ck