Agatha Christie, klassisch und doch neu verpackt: Netflix verfilmt eine Geschichte aus der zweiten Reihe und trifft damit voll ins Schwarze – „Agatha Chriestie’s Seven Dials“, als Mini-Serie von Chris Chibnall („Doctor Who“) adaptiert, startet heute am 15.1.2026 im Streaming.

Herrlich altmodisch in der Inszenierung, mit allerlei Utensilien aus den 1920ern, einem gewissen männlichen rhetorischen Charme, durch den Frauen nur zu gerne angehimmelt und gleichsam (zu ihrem eigenen Schutz, nicht wahr?) für dumm verkauft werden. Und einer Hauptfigur, die sich geschickt gegen diese Zeit auflehnt und alle um sie herum vorführt: „Agatha Christie’s Seven Dials“ ist ein dreiteiliges Kriminalabenteuer und verhandelt selbstverständlich die Suche nach einem Mörder.

Kritik von Richard Potrykus

Ein Freund von Lady Eileen Brent (Mia McKenna-Bruce), genannt Bundle, wird eines Morgens tot aufgefunden. Selbstmord, wie es heißt. Doch Bundle gibt sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden, nicht zuletzt, weil besagter Freund ihr noch am Vorabend intensive Andeutungen gemacht hatte, die auf eine baldige Verlobung schließen lassen. Und so begibt sich die junge Frau selbst auf die Spurensuche und entdeckt dabei so allerhand.

„Agatha Chriestie’s Seven Dials“: Eine starke Frau für eine starke Geschichte

„Agatha Christie’s Seven Dials“ ist herrlich erfrischend und wahrscheinlich sogar das bessere „Enola Holmes“, welcher ohnehin zu sehr auf eine Coolness setzt, die bei „Sherlock“ noch funktionierte, aber hier… nun ja, das ist ein anderes Thema.

Mia McKenna-Bruce füllt die Figur der Bundle voll aus. Sie ist witzig und weiß immer, wie sie sich zu verhalten hat, um in der Angelegenheit einen Schritt weiterzukommen. Es liegt ein wenig in der Natur der Sache, dass die Hauptfigur vom Drehbuch getragen wird, doch es liegt an der Hauptdarstellerin, dieser Rolle auch gerecht zu werden und dazu ist McKenna-Bruce mehr als in der Lage.

Als ihre Serienmutter ist Helena Bonham-Carter zu sehen und dann ist da noch die Figur von Martin Freeman, von dem man anfangs so gar nichts weiß, was jenen nicht davon abschreckt, immer wieder durch das Bild zu laufen. Mit beiden pflegt die Hauptdarstellerin eine angenehme Chemie, die es ihr ermöglicht, gut Dialoge zu führen, nur um im passenden Moment handlungstreibend davonzurasen.

Die Serie steht damit in bester Tradition der alten Miss-Marple-Narrative, in der es ja auch darum geht, dass eine einzelne Frau die jeweilige Gesellschaft intelligent an der Nase herumführt, doch ist „The Seven Dials“ alles andere als altbacken.

„Habe meine Kinder geschlagen und würde es wieder tun“: Martin Freeman lässt aufhorchen

Agatha Christie's Seven Dials serie Netflix Bild
Martin Short in seiner Nebenrolle

Alles andere als altbacken

Die Serie spielt in den 1920er Jahren und ist doch in Gänze up-to-date. Das zeigt sich in der leicht trotteligen Sicht der Männer auf Frauen, wenn diese auf einmal nicht wie Dummchen erscheinen, aber auch an den Frauen selbst, die ihren „Mann stehen“ können und auch müssen, wenn aus Gründen gerade kein Mann zugegen ist.

Und so gibt es immer wieder intelligente Kommentare und nicht zuletzt einen feinen Seitenhieb gegen das damals noch nicht-existente Frauenwahlrecht in Großbritannien. In „Agatha Christie’s Seven Dials“ wird dieses genau im richtigen Moment erwähnt, was nicht nur eine humoristische Spitze mit sich bringt, sondern auch einen intelligenten Hinweis auf die heutige Zeit, in der so manches Recht nicht für selbstverständlich genommen werden darf.

Uhren, überall Uhren

Die titelgebenden „seven dials“ verweisen übrigens in vielerlei Hinsicht auf Ziffernblätter (dial = Ziffernblatt) und sind in der Mini-Serie überall zu finden. Da gibt es Wecker, die als Scherz eingesetzt werden sollen, Kameraeinstellungen, aus Uhren heraus, die sogar das Konvexe der schützenden Gläser aufgreifen, mysteriöse Visitenkarten und Masken. Überall sieht das Publikum Uhren und überlässt der Fantasie dabei freien Lauf. Dieser Ideenreichtum ist dabei vor allem dem Drehbuchautoren und Serienschöpfer Chris Chibnall zu verdanken, der schon bei der Serie „Broadchurch“ und bei „Doctor Who“ stark involviert gewesen war.

Mia McKenna Bruce
Mia McKenna-Bruce spielt die Hauptfigur

„Agatha Christie’s Seven Dials“ geht damit einen ähnlich schwungvollen Weg, den zuvor die drei „Knives Out“-Filme von Rian Johnson gegangen waren. Anstelle von trübseligen Mordfällen, bei denen die Ermittler zumeist deprimierter sind als die Opfer, wird hier eine Geschichte erzählt, die spannend ist und das Publikum mit Lust durch die Handlung führt. Da macht es dann auch nichts, wenn des Rätsels Lösung einmal mehr nur von den Figuren gefunden werden kann, weil wieder einmal irgendwelche Details nicht kommuniziert wurden.

Fazit

„Agatha Christie’s Seven Dials“ ist genau das Richtige für einen gemütlichen Tag auf dem Sofa: Keine Schwermütigkeit und immer wieder spannende Begebenheiten in der Handlung sorgen für Unterhaltung. Manche Details sind nicht glaubwürdig, vor allem, wenn Physik im Spiel ist, aber darüber kann man hinwegsehen. Gerade die zeitgenössische Erzählung und der geschickte Blick auf damalige Sitten machen „Seven Dials“ zu einem erfrischenden Erlebnis, von dem es gerne mehr geben darf.

Bewertung

Bewertung: 8 von 10.

(82/100)

„Agatha Chriestie’s Seven Dials“: Mini-Serie, 3 Episoden, ab 15. Januar 2026 auf Netflix.

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Bilder: (c) Netflix