Debütfilm, größtenteils mit Laienschauspielern und ohne künstliches Licht gedreht: Die Entstehungsgeschichte des Dramas „Ein Kuchen für den Präsidenten“ vom irakischen Regisseur Hasan Hadi ist bemerkenswert. Noch bemerkenswerter allerdings ist das Endergebnis. Ab dem 5. Februar 2026 in den Kinos zu sehen, gelingt es Hadi in beeindruckenden Bildern, die Schrecken des 90er-Jahre-Iraks zu verarbeiten.
Kritik von Jonas Schilberg
„Ein Kuchen für den Präsidenten“ – von einer 9-jährigen, für Saddam Hussein
Die Handlung ist simpel: Lamia (Baneen Ahmad Nayyef), neun Jahre alt, wohnt bei ihrer Großmutter Bibi (Waheed Thabet Khreibat) und geht zur Schule. Es ist zwei Tage vor dem 60. Geburtstag des irakischen Diktators Saddam Hussein. Und wie es sich für ein totalitäres Regime gehört, wird dieser Geburtstag gebührend gefeiert. Konkret heißt dies, dass unter anderem in Lamias Klasse Lose gezogen werden. Sie bestimmen, welcher Mitschüler was am „großen Tag“ mitbringen soll. Und ausgerechnet auf Lamia fällt die größte Aufgabe zu, die des Kuchens.
Nicht nur das gesamte Land, auch Lamias Familie ist von Armut geprägt. Einen Kuchen zu backen, wird dadurch zur Mammutaufgabe. Ihre Großmutter willigt schließlich ein, mit ihr für den Zutatenkauf in die Stadt zu fahren. Doch vor Ort stellt sich heraus, dass die alterskranke Frau tatsächlich Lamia an eine andere Familie abgeben möchte. Lamia flieht und versucht mit Mühe, Not und ihrem Freund Saeed (Sajad Mohamad Qasem) rechtzeitig alle Zutaten zu besorgen. Um nicht so zu enden, wie es andere taten, die dem Regime etwas schuldig blieben.
Vom Leid umzingelt
Hasan Hadi zeichnet ein überwiegend tristes Bild seiner Heimat. Die Sanktionen der UN führten zu Lebensmittelengpässen und Mangel an Medikamenten. Zu sehen ist eine leidende Zivilbevölkerung, die sich das Leiden nicht eingestehen will. Derweil erscheint das irakische Regime selbst repressiv und verkommen. Wer etwas erreichen will, muss ein paar Scheine wandern lassen – Korruption und Verbrechen florieren.
Dadurch ergibt sich tiefe Tragik: Auf der einen Seite das eigene Land, das unterdrückt, auf der anderen Seite die sogenannte „Freie Welt“, die durch das Embargo gleichermaßen für Leid sorgt. Und so verurteilt „Ein Kuchen für den Präsidenten“ beide Seiten, solidarisiert sich mit einer Zivilbevölkerung, die sonst keine Solidarität der internationalen Wertegemeinschaft erfährt. Das macht den Film menschlich im besten Sinne.
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Das Totalitäre und das Symbolische
Zugleich zeigt das Drama, was ein derartiges System überhaupt noch zusammenhält: Es ist das Symbolische. Das geschieht in markantester Form beim Geburtstag Saddam Husseins: Wo gefeiert wird, wird vergessen. Statt das reale individuelle Leid mitzubekommen, soll der Einzelne abgelenkt werden, denn da sei „etwas Größeres“ als die bloße, egozentrische Frage, wie man selbst satt wird.
Zum Symbolischen gehören zweifelsfrei auch all jene irakischen Flaggen, denen wir im Verlauf von Lamias Odyssee begegnen sowie die nationalistischen Rituale und Sprechchöre. Es sind religiöse Prägungen (der Zucker im Kuchen stehe für dies, das Mehl für das). Oder der nicht verstummende Gedanke, es gäbe doch noch Gerechtigkeit. Diese symbolischen Einheiten sind es, welche die Deprivation einhegen (sollen).

Das Schauspiel ist in „Ein Kuchen für den Präsidenten“ angesichts der Thematik wohl nicht trotz, sondern wegen der Besetzung von Laien so herausragend. Leid, verzweifelte Hoffnung und manchmal auch schimmernde Freude spiegelt sich in den Gesichtern jener Menschen wider, die im Irak der Gegenwart noch immer mit vielen Problemen zu kämpfen haben. Der Film erreicht hohe Glaubwürdigkeit, Bedrückung, Nachdenklichkeit, etwa durch die Komposition von Bild und Ton in Szenen US-amerikanischer Bombardierungen. Vor allem der Schluss wird noch lange nachhallen.
Fazit
„Ein Kuchen für den Präsidenten“ ist eine geglückte Parabel auf den Irrsinn des Totalitarismus und die Diktatur, der mit präziser Bildsprache brilliert, aber auch immer wieder aufrüttelt und zermürbt. Zugleich gelingt es ihm, die destruktive Seite des „Westens“ aufzuzeigen, der mit Sanktionen und Bomben eben niemanden „befreit“, sondern der irakischen Bevölkerung massiv geschadet hat. Dass dem Film beides glaubwürdig schafft, zeichnet ihn aus. Er solidarisiert sich mit diesen Menschen, die nichts mehr haben außer Symboliken, jeden Tag um ihr Leben fürchten müssen – und zwar von allen Seiten. Bedrückend, aber einprägsam und lohnend.
Bewertung
(80/100)
„Ein Kuchen für den Präsidenten“: Ab 5.2. bzw. 6.2.2026 im Kino (D, AUT)
Bilder: © Vuelta Germany, 24 Bilder
