„Primate“ ist ein positives Beispiel für das Untergenre „Animal Horror“, denn der wirkungsvolle wie brutale Schocker setzt auf solides Handwerk und überzeugende praktische Effekte. Ab 29.1.2026 im Kino, nun (Mitte März) auch im Heimkino als Video-on-Demand verfügbar.

Kritik von Christian Klosz

Eine Handvoll College-Tussis (und ein heißer Typ) treffen sich in den Ferien auf Hawaii, um Spaß zu haben und es sich gut gehen zu lassen. Auch Lucy (Johnny Sequoyah) kehrt nach langer Zeit (und dem tragischen Tod ihrer Mutter) wieder zurück in ihr Zuhause. Das noble Anwesen ihres Vaters Adam (Troy Kotsur), ein erfolgreicher Primatenforscher und Bestseller-Autor, direkt an einer Klippe gelegen und mit atemberaubender Aussicht bietet für die geplanten Partys die ideale Location. Und „Hausaffe“ Ben, Forschungsobjekt und Familienmitglied zugleich, bietet tierische Abwechslung.

„Primate“: Wenn der Menschenaffe zum Monster mutiert

Kurz vor seinem Trip zu einer Konferenz entdeckt Adam, dass Ben von einem Mungo gebissen wurde. Zur Sicherheit soll sein inzwischen toter Angreifer auf Tollwut getestet werden, man weiß ja nie. Als der zuständige Tierpfleger Ben eine Spritze verabreichen will, verliert er sein Gesicht, und das ist wortwörtlich gemeint: Ben wurde bereits infiziert und mutiert vom spielfreudigen Kameraden zum blutrünstigen Monster.

Als die College-Kids merken, was Sache ist, ist es bereits zu spät: Ben geht auch auf sie los, sie müssen sich im Pool verstecken, da der Affe Wasser fürchtet. Auf kreative wie brutale Weise findet er trotzdem Wege, seinen Blutdurst zu stillen.

„Primate“ ist handwerklich hochwertiger Tierhorror

Die Handlung von „Primate“ bietet kaum Neues, es ist ein recht typischer Tierhorror-Streifen, der auf gefinkelte Drehbuchvolten oder psychologische Tiefe völlig verzichtet. Der Film ist aber handwerklich außerordentlich effektiv umgesetzt, was ihn deshalb weit über den Genre-Durchschnitt katapultiert.

Dabei muss man vorweg sagen: „Primate“ ist nichts zur Zartbesaitete, er ist stellenweise äußerst brutal. Doch auch diesen Szenen merkt man die technische Könnerschaft von Regisseur Johannes Roberts an. Positiv fällt auch auf, dass der Affe nicht CGI-animiert ist, sondern ein Mensch (Schauspieler Miguel Torres Umba) in ein Affenkostüm gesteckt wurde. Durch die hochwertige Maske wirkt der Affe dadurch enorm realistisch. Ein weiteres Beispiel für die erfreuliche Rückkehr praktischer Effekte im Horror-Genre.

primate film bild 2

Referenzen an John Carpenter

Herausstreichen muss man auch den wirkungsvollen Soundtrack, der eine eindeutige Referenz an John Carpenters Scores ist. Darstellerisch kann man von solch einem Film nicht allzu viel erwarten, besonders (der gehörlose, was zusätzliche Spannungselemente mit sich bringt) Troy Kotsur überzeugt aber. Und „Affendarsteller“ Umba macht seine Sache ausgezeichnet.

Man kann „Primate“ auch als Beitrag zum Konflikt „Mensch vs. Natur“ lesen, und als Statement, dass eine „Unterwerfung“ der Natur durch den Menschen immer zum Scheitern verurteilt sein muss. Der Film legt seinen Fokus aber nicht auf eine „Message“ oder nutzt das Genre als Vorwand dafür, sondern konzentriert sich ganz darauf, innerhalb dieser Genre-Regeln die bestmögliche Wirkung zu erzielen. Die beachtliche Leistung von „Primate“ liegt darin, genau das geschafft zu haben: Schnörkelloser, gekonnt inszenierter Horror-Thrill, on point. Auch das muss man mal schaffen.

Fazit

Alles in allem ist „Primate“ ein kurzer, knackiger, aber enorm wirkungsvoller Horror-Schocker geworden, der Genre-Feinspitze erfreuen dürfte und für ein Mainstream-Publikum ohne Blut-Aversion ein absoluter Geheimtipp ist.

Bewertung

Bewertung: 8 von 10.

(76/100)

Horror-Geheimtipps in der Besprechung

Bilder: (c) Paramount Pictures