Vom Millionär zum Tellerwäscher und zurück: Glen Powell ergründet in John Patton Fords Zweitwerk, was Erben bedeutet, nämlich Leben und Sterben lassen. Denn Adel verpflichtet nicht, frei nach dem Titel der filmischen Vorlage aus 1949. Ford interessiert sich in „How to make a killing“ nach „Emily the criminal“ erneut für die Werdung einer kriminellen Karriere, setzt aber dabei auf schwarzen Humor statt auf ernsthafte Sozialkritik. Recht unterhaltsam und ab 9.4.2026 im Kino.

Kritik von Christian Klosz

Der rund 30-jährige Becket Redfellow (Glen Powell) wartet in der Todeszelle auf seine Hinrichtung. Ihm wird ein Mord vorgeworfen, den er gar nicht begangen hat, dafür hat er aber einige andere Menschenleben auf dem Gewissen, wie er dem anwesenden Priester, der ihn von seinen Sünden freisprechen soll, freimütig offenbart.

In seine Rolle als Serienkiller sei er irgendwie „hineingestolpert“, so Becket: Seine Mutter entstammte einem wohlhabendem Haus, doch ihre frühe Schwangerschaft führte zum Ausschluss aus der Familie durch ihren Vater, den Patriarchen Whitelaw Redfellow (Ed Harris). Sie suchte sich einen Job, eine Wohnung, zog den Jungen fortan in kleinbürgerlichen Verhältnissen alleine groß, sorgte aber dafür, dass er mit den Umgangsformen und Etiketten der Upper Class vertraut blieb. Dann starb sie jung und der unglückliche Becket landete in Waisenheimen.

Er arbeitete sich alleine mühsam nach oben, schaffte es immerhin zum Verkäufer nobler Herrenkleidung in einer Nobel-Boutique. Doch der Groll über die Ungerechtigkeit war geblieben. Von seinen immer noch reichen Verwandten abgeschnitten entwickelt er deshalb einen perfiden Plan: Als Letzter der Redfellow’schen Erbfolge stehen 7 andere vor ihm, und die müssen aus dem Weg geräumt werden…

„How to Make a Killing“: Adel verpflichtet nicht

Regisseur John Patton Ford widmet sich auch in seinem zweiten Werk nach seinem durchaus gelungenen Independent-Geheimtipp „Emily the Criminal“ (2022) einer Hauptfigur, die kriminell wird. Die Umstände spielen in beiden Filmen eine Rolle: In Fords Erstling gerät seine von Aubrey Plaza gespielte Protagonistin auf die schiefe Bahn, weil sie ihre Student Loans tilgen will, aber keinen ordentlichen Job bekommt – und sich so als Kreditkarten-Scammerin versucht und dabei Erfolg hat.

how to make a killing margaret qualley
Margaret Qualley spielt Glen Powells Jugendflamme

Der Titel „How to make a killing“ – als Referenz zum Spruch „How to make a living“ – verrät bereits, worum es hier geht: Gesellschaftlicher Aufstieg durch tödliche Gewalt, mit der Besonderheit, dass der Protagonist zuvor Opfer eines unfreiwilligen Abstiegs wurde und sich nun rächen will. Und dass die Reichen, die er „fressen“ will, seine Verwandten (gespielt u.a. von Bill Camp, Topher Grace) sind.

Ford hegt unverkennbar Sympathien für seine kriminell gewordenen „Anti-Helden“, was man zumindest moralisch hinterfragen kann. Die Legitimation ihres Rutschens auf die schiefe Bahn ist im Vorgängerfilm zumindest noch halbwegs nachvollziehbar, in „How to make a killing“ aber arg konstruiert und der kalt berechnende Becket Redfellow taugt nicht zum Sympathieträger, auch weil die kurzen Momente der „Menschlichkeit“ dramaturgisch immer schnell verpuffen.

„How to make a killing“ versteht sich aber auch nicht als ernsthaftes, sozialkritisches Drama, sondern als Schwarze Komödie. Und als solche ist die Geschichte, die in ihren Grundzügen auf „Adel verpflichtet“ mit Alec Guiness aus 1949 basiert, durchaus unterhaltsam. Als ernste, analytische oder empathische Gesellschaftssatire taugt der Film freilich nicht, dafür ist er zu oberflächlich und zu sehr an Plot-Twists interessiert. Bei allem Amoralismus, dem man Ford auch unterstellen kann, sorgt immerhin das Finale für ausgleichende (Un-)Gerechtigkeit, wenngleich man dem wiederum Zynismus vorwerfen kann.

Fazit

Eine flott inszenierte Farce, deren Botschaft man hinterfragen kann, die aber trotzdem gut zu unterhalten vermag, auch weil sich „How to make a killing“ selbst nicht sonderlich ernst nimmt.

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

(73/100)

„How to make a killing“ (2026) – ab 9.4.2026 im Kino.

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Bilder: (c) A24 bzw. Studiocanal / Ilze Kitshoff