Zehn Jahre dauerten die Dreharbeiten für „The Bastard King“. Zehn Jahre lang wurde Bildmaterial wilder Löwen gesammelt, das jetzt von Terra Mater Studios und Regisseur Owen Prümm in einen Hybriden aus Naturdokumentarfilm und erzählerischem Spielfilm umgewandelt wurde. Das Konzept soll gerade das Mainstream-Publikum ansprechen. „The Bastard King“ soll auch nicht der einzige Film seiner Art bleiben. Um Botschaften über den Klimawandel oder das Aussterben bedrohter Arten zu vermitteln, will Terra Mater auch in Zukunft auf innovative Produktionen zurückgreifen. Sogar eine Komödie soll sich in Entwicklung befinden. Der Film war erstmals bei der Diagonale 2022 in Graz zu sehen.

von Lena Wasserburger

„The Bastard King“ handelt also ebenfalls von der Bedrohung der Natur durch die Menschen, tut dies jedoch in Form einer Erzählung, die fast wie eine Fabel oder ein Märchen wirkt. Im Zentrum der Geschichte steht ein Löwenjunges, ein Bastard, wie es im Film heißt, denn der kleine Löwe ist Nachkomme zweier verfeindeter Rudel. Als Ausgestoßener muss er in der Savanne um sein Überleben kämpfen und sein Schicksal, die Vereinigung der verfeindeten Rudel gegen einen gemeinsamen Feind (den Menschen), erfüllen.

Wenn es etwas gibt, das auf die meisten Naturdokumentationen zutrifft, dann, dass die Bilder wunderschön anzusehen sind. Terra Mater-Produktionen sind hier nicht selten von sehr hoher Qualität. Wer bereits einige Dokumentationen über Löwen oder das Leben in der Savanne gesehen hat, wird natürlich nichts Überraschendes an den Aufnahmen an sich feststellen können, jedoch wurde in „The Bastard King“, wie bereits erwähnt, darauf geachtet, die Bilder realer Löwen in ein Handlungsgeflecht einzuweben, das den Bildern wiederum mehr Bedeutung verleiht. Die Idee, in Form eines Dokumentarfilms eine fiktive Geschichte zu erzählen, ist zwar nicht neu, aber doch ein interessanter Ansatz, um Spannung zu erzeugen und Emotionen hervorzurufen.

Was hierbei eine große Rolle spielt, ist die Narration beziehungsweise das Voice Acting von David Oyelowo. Oyelowo erzählt die Geschichte auf kraftvolle, auf eindrucksvolle Art und Weise und verleiht dem Löwenjungen dadurch einen greifbaren Charakter. Anzumerken ist jedoch, dass einige Zeilen des Skripts etwas von ihrer Wirkung einbüßen, da sie, so schön und bedeutungsvoll sie klingen, manchmal doch ein wenig zu sehr in die Philosophie abrutschen. Eine ganze Menge an Aussagen regt zum Nachdenken an, doch würde man sie alle analysieren, käme man vermutlich nicht mehr hinterher.

Was ebenfalls auffällt, ist, dass „The Bastard King“ häufig Gebrauch von Effekten macht. So wird zwar erneut illustriert, dass es sich hierbei nicht um einen traditionellen Naturdokumentarfilm handelt, doch ab und zu ist es dann doch ein wenig viel, besonders dann, wenn die Bilder zusätzlich von durchdringender elektronischer Musik begleitet werden. Die Musik ist eine interessante Wahl, passt auch ganz gut zum Storytelling – wird aber möglicherweise ein wenig zu oft abgespielt.

Fazit

Letztendlich funktioniert die Geschichte vom „Bastard King“ und ist durchaus fesselnd. Die Botschaft, die Bedrohung der Löwen und ihres Lebensraum, der Savanne, durch den Menschen, kommt allerdings erst zum Schluss richtig zur Geltung und ist zuvor eher im Hintergrund. Deren Dringlichkeit ist am Ende des Films trotzdem spürbar.

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

(65/100)

Bild: © Owen Pruemm