Bald dreieinhalb Jahre mussten sich die Fans von „Stranger Things“ gedulden, nun ist es endlich soweit: Begleitet von hohen Erwartungen, ach so lustigen Memes über das Aussehen der nunmehr erwachsenen Kinder- und Jungstars und einem Zusammenbruch des Servers, als die neuen Folgen endlich online freigegeben wurden, sind sie nun endlich verfügbar, die ersten 4 Episoden der Staffel 5.

von Richard Potrykus

Und die Duffer-Brüder fackeln nicht lange. Nach einem Recap, in dem an dieses und jenes Ereignis erinnert wurde, steigt die finale Staffel 5 von „Stranger Things“ gleich rein ins Geschehen und nimmt das Publikum gebührend in Empfang. Alle sind sie wieder mit dabei. Die Jungs, die Mädels, die Eltern, der Look, die Musik, einfach alles ist wieder da und es fühlt sich gut an. Vier Folgen sind seit 27.11.2025 bereits online (die zweite Hälfte der Staffel erscheint am 26.12.2025) und zwei davon werden hier vorgestellt.

„Stranger Things“ Staffel 5 – Kapitel 1: Der Crawl

Etwas mehr als zwei Jahre sind seit den Ereignissen der vierten Staffel vergangen. Aus der Ausnahmesituation ist ein Normalzustand geworden. Zwei Jahre, in denen sich viel getan hat, und wie immer, wenn ein Zeitsprung getan wird und das Publikum abgeholt werden muss, gibt es den Moment der Exposition. Nicht zu lang und doch lang genug, um die neue Welt ausreichend zu etablieren, gibt es irgendeine Form von Monolog, in dem sich eine Figur genötigt sieht, all das, was bisher geschehen ist, aufzulisten.

Auch in „Stranger Things“ Staffel 5 wird vor dieser altbewährten Taktik nicht Halt gemacht, doch macht es die Serie sehr charmant. Die Spielregeln sind einfach. Es gibt eine Quarantänezone, eine solide Militärpräsenz und die geliebten Held*innen inmitten von alledem. Wissend, dass das Böse aus der Schattenwelt noch existent ist, haben sie sich zu einer Art Guerilla weiterentwickelt, die nach wie vor versucht, dem Schrecken endlich den Garaus zu machen.

Popkulturelle Referenzen dürfen nicht fehlen

Sie operieren von verschiedenen Positionen aus und agieren ihren bekannten Eigenarten entsprechend. Doch es wird nicht nur nach vorne geschaut. Neben dem allgemeinen Setting hat die fünfte Staffel auch so manches Schicksal geerbt und es wird offensichtlich versucht, die Serie zu einem runden Abschluss zu führen – man darf gespannt sein.

Natürlich kommen auch die popkulturellen Referenzen nicht zu kurz, allen voran eine Trainingsmontur in bester Rocky-Manier (Ist „Rocky“ besser als „Taxi Driver“?). Insgesamt macht dieser Einstieg in das letzte Abenteuer aus Hawkins Lust auf mehr, wenngleich auch erwähnt sei, dass es sich „Stranger Things“ hier etwas zu einfach macht. Manche Dinge wirken zu konstruiert, so als hätte man schnell eine Lösung für etwas finden müssen, ohne viel Lust auf Kohärenz und Plausibilität.

Bewertung

Bewertung: 8 von 10.

(79/100)

stranger things staffel 5 bild
…und alle sind sie wieder mit dabei!

„Stranger Things“ Staffel 5 – Kapitel 2: „Das Verschwinden von…“

Auch wenn es in der Unart von Netflix so ist, das Publikum mit Content in einer Geschwindigkeit zu befeuern, dass sogar der Abspann übersprungen und der nächste Inhalt gleich losgelassen wird, sei an dieser Stelle die Empfehlung gegeben, zu pausieren und kurz durchzuatmen, denn der Beginn der zweiten Folge der neuen „Stranger Things“-Staffel hat es in sich.

Schon während der Drehphase der 5. Staffel ließen erste Setfotos erahnen, dass die Serie Wert auf Haptik und praktische Effekte legen würde, und dieser Einstieg in die zweite Episode ist der Beweis dafür. Ein Brett, was dem Publikum hier präsentiert wird, unmittelbar und mit einer amtlichen Portion Horror, wie er aus den Genre-Klassikern der 80er Jahre bekannt und beliebt ist.

Wie aus einem Stephen King-Roman…

Dazu Bullies, die direkt einem Roman von Stephen King entnommen sein könnten. Wie schon die erste Episode setzt auch das zweite Kapitel neben der Handlung und dem allgemeinen Zusammenspiel der Figuren auf Kleinigkeiten, sei es in den Referenzen an liebgewonnene Filme und Spiele, sei es in beinahe unwichtigen Elementen wie einer Weinflasche. Hatten noch einzelne etablierende Elemente den Beigeschmack des Bemühten, so wirkt hier vieles mehr als rund. Zudem wird das Publikum eingeladen, am Abenteuer teilzuhaben, mitzuraten und zu überlegen, welche Schritte die nächsten sein müssten.

Bewertung

Bewertung: 9 von 10.

(85/100)

…noch immer ist nicht alles Gold, was glänzt, aber möglicherweise trügt der Eindruck und präsentiert die Serie hier durch gewisse Längen die Ruhe vor einem Sturm enormen Ausmaßes?

„Stranger Things“ Staffel 5 – Kapitel 3: „Die Turnbow-Falle“

Das Schwierige an mehreren Schauplätzen ist ja die Plausibilität der Ereignisse. Figuren wollen wohl integriert und vorbereitet werden auf die Ereignisse, um die es eigentlich geht. Wenn also an einem Ort die Hölle losbricht, kann es eine Geduldsprobe bedeuten, wenn andernorts eine Figur in einem Haus sitzt und einfach wartet.

Wenn dann eben jene Figur die Order bekommt, etwas bestimmtes nicht zu tun, dann getriggert wird, jenes Verbot zu missachten, infolgedessen mit sich hadert und schließlich zu der Tat schreitet, von der das Publikum von Anfang an wusste, dass es geschehen wird: Da stellt sich schon die Frage, ob man hier nicht zugunsten anderer Handlungsorte hätte Sendezeit einsparen können.

Da hilft es auch nicht, wenn Stephen-King-Ikone Frank Darabont für den Regiestuhl verpflichtet wird. Glücklicherweise geht das ganze, wie so vieles in fünf Staffeln „Stranger Things“, mit einer grandiosen Referenz einher, die passender kaum sein könnte und die Schauspieler*in hinter der Figur amtlich umzusetzen weiß. Umso actionreicher dieser eine andere Handlungsstrang, in dem der Jahreszeit entsprechend die Horrorversion von „Kevin allein zu Haus“ inszeniert wird.

Ein klassischer Lückenfüller

Die Dynamiken zwischen den Figuren sind nach wie vor grandios, wodurch man einmal mehr feststellen darf, dass der allgemeine mediale Fokus zu Unrecht nur auf den Schauspieler*innen und dann und wann auf der Regie liegt. Dass Schauspieler*innen, die als Kinder für eine Serie verpflichtet wurden, auch nach Jahren noch so unheimlich gut miteinander harmonieren, ist zuallererst ein Verdienst der Casting-Verantwortlichen Carmen Cuba, die diese Menschen aus der Menge der Bewerbungen ausgewählt hatten.

Alles in allem ist diese dritte Folge gekonnt hochklassig, aber ein klassischer Lückenfüller, der die Figuren positionieren und weitere Ereignisse vorbereiten soll.

Bewertung

Bewertung: 8 von 10.

(81/100)

stranger things staffel 5

„Stranger Things“ Staffel 5 – Kapitel 4: „Der Zauberer“

Es ist das große Plus einer Serie, die bei einem Streamingdienst erscheint, losgelöst zu sein vom Korsett des linearen Fernsehens, da sich die Erzählung nicht länger einem Zeitfenster unterzuordnen hat. Wo einst 45 Minuten Standard waren und gegebenenfalls noch eine Werbeunterbrechung berücksichtigt werden musste, kann eine Geschichte nun so erzählt werden, wie selbige es verlangt. Können sich die Showrunner Freiheiten nehmen und unterschiedliche Punkte näher beleuchten, ohne dass andere Elemente darunter leiden, und kann eine Episodenlänge individuell angepasst werden.

Man erinnere sich an das Finale der 4. Staffel von „Stranger Things“, welches das Publikum über 129 Minuten an den Bildschirm fesselte. Die 4. Episode der 5. Staffel bringt es ebenfalls auf beachtliche 96 Minuten und nutzt diese Zeit, um ordentlich zu eskalieren. Erste Konsequenzen werden gezogen und Schwellen werden überschritten.

Das alles kommt nicht von ungefähr, denn immerhin muss sich das Publikum nun bis zum 26.12. gedulden, um die nächsten drei Episoden durchsuchten zu können, und da ist es nur recht und billig, dass die Duffer-Brüder den Fans Bilder mit auf den Weg geben, die entsprechend lange vorhalten können.

Ein Vorfinale mit ersten Eskalationen

Dieses vierte Kapitel von „Stranger Things“ Staffel 5 bestätigt, dass diese wirklich Großes geplant hat, und es ist schön, zu sehen, dass bei aller Liebe zur digitalen Repräsentation des Übernatürlichen ein Set gebaut wurde, welches hier in voller Größe genutzt wird.

Schon in der Exposition der ersten Episode konnte man einen ersten Eindruck davon gewinnen und jetzt, da es die Handlung hier hin verschlagen hat, zeigt sich, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Eine großangelegte Action-Sequenz wird hier das erste Finale einläuten und dank Kameramann Caleb Heymann wird dies begleitet von einer unheimlich tollen Plansequenz, die dem Publikum nicht nur Bilder mit auf den Weg gibt, über die es nachdenken kann, sondern eben jenes Publikum tief mit hineinzieht in die Welt von Hawkins.

Die Emotionen gehen hoch, sowohl in der Serie als auch vor den Bildschirmen und…Ach ja, und dann wird auf einmal ein Element zurückgebracht, welches man mit Freuden vergessen hatte, und dessen neuerliches Erscheinen doch irgendwie Lust auf mehr macht – und das Internet mit Fantheorien flutet.

Bewertung

Bewertung: 9 von 10.

(94/100)

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Fazit

Die fünfte Staffel von„Stranger Things“ macht in den ersten Episoden keinen Hehl daraus, groß sein zu wollen. Eindeutig wird hier in Superlativen gedacht und mit dem Ultimativen gearbeitet.

Ein Running (up the hill)-Gag wie bei Kate Bushs Lied, welches es im Zuge der vierten Staffel wieder in die Charts schaffte und sogar Platz 1 einnehmen konnte, zeichnet sich derweil noch nicht ab, doch so, wie Staffel 5 vorprescht und sich in vielen Facetten aufbläht, ist auch solch ein Element denkbar. Ob es sich, wenn es eintritt, wieder um ein Lied handeln wird, oder stattdessen um einen Gegenstand oder gar eine Emotion, wird sich zeigen. Potential ist allemal vorhanden.

Am 26.12.2025, um 02.00 Uhr in der Früh wird die Geschichte von Hawkins fortgesetzt. Zeit genug also, die letzten Geschenke zu organisieren und die Verwandtschaft mit allerlei Keksen und Braten zu versorgen, um sie rechtzeitig wieder vor die Tür setzen zu können.

(upgedatet am 9.12.2025)

Bewertungen auf Rotten Tomatoes

-> Wie „Stranger Things“ Frank Darabont zum Comeback verhalf & weitere Infos zur neuen Staffel

„Stranger Things“ Staffel 5: Seit 27.11.2025 auf Netflix. Episoden 1-4 bereits online, weitere 3 folgen im Dezember. Und die finale Folge am 1.1.2026.

Bilder: (c) Netflix