„Wonka“ erzählt fantasiereich die Vorgeschichte von „Charlie und die Schokoladenfabrik“, Timothee Chalamet darf diesmal Willy Wonka spielen, der einst von Johnny Depp legendär verkörpert wurde. Ab 22.12.2025 ist das zuckerlbunte und zuckersüße Spektakel nun auf Netflix zu sehen.

Rezension von Cliff Lina

Bei einer kleinen Zeitreise zurück in die ersten Jahre nach der Jahrtausendwende fällt auf, dass der Zeitraum kurz vor oder um Weihnachten damals womöglich der war, auf den die meisten hin gefiebert haben. Egal ob zaubernder Brillen– oder schwachbrüstiger Ringträger, das Ende des Jahres hielt nochmal einen absoluten Knaller für Kinogänger parat, für die der Besuch beinahe zum Ritual wurde. Nach eben jenen Filmreihen wurde es aber leiser um die Vorweihnachtszeit, große Starts gab es eher selten und schon gar nicht für die gesamte Familie.

„Wonka“, die Rückkehr des Weihnachts-Blockbusters für die ganze Familie?

Paul King, seines Zeichens Regisseur der „Paddington“-Filme, schickte sich 2023 an, dies zu ändern und präsentierte uns kurz vor dem zweiten Advent „Wonka“, der die Vorgeschichte zu „Charlie und die Schokoladenfabrik“ darstellt. Willie Wonka, der voller Träume aber mit leeren Taschen den Versuch unternimmt, seine geliebte Schokolade zu verkaufen, trifft dabei auf Freunde, Widersacher und allerlei Kuriositäten, die King in einem rund zweistündigen feelgood-movie verpackt. Was der Trailer uns dabei verschwiegen hat? „Wonka“ ist teilweise mehr Musical als Spielfilm.

wonka netflix

Schon in der ersten Szene von „Wonka“ atmet Timothée Chalamet eine tiefe Brise ein, um sie als beschwingtes Lied gen Publikum zu schmettern. Ebenso zügig setzt sich auch die Story in Gang, die ihn in die Stadt führt, die drei der besten Schokoladenhersteller beheimatet. Diese schauen mit Argwohn auf das Treiben des jungen Chocolatiers, der mit einer Mischung aus Genuss und Zauberei die Menschen für sich gewinnt.

Doch es kommt wie es kommen musste: durch kindliche Naivität fällt der Hutträger auf Betrüger hinein und manövriert sich in eine missliche Lage, der er nur mithilfe von neuen Freunden entkommen kann. Es sind die typischen Motive, die ein Werk mit breit gefächerter Zielgruppe ausspielt. Sonderlich fordernd oder gar komplex ist die Geschichte beileibe nicht. Statt ernsthafter Figurenentwicklung setzt gefühlt alle zehn Minuten jemand zu einem Liedchen an, von denen allerdings auch keines wirklich im Ohr bleibt.

Chalamet überzeugt mit Charisma

Chalamet, eigentlich eher bekannt für leicht melancholische Rollen, spielt den jungen Wonka verhältnismäßig zurückhaltend, tauscht Wüstensand gegen Giraffenmilch und kann nicht vollkommen überzeugen. Generell erfahren wir leider wenig über seinen Charakter, lediglich die Motivation wird mit einer Hintergrundgeschichte erläutert. Von der Verrücktheit, die Johnny Depp der Figur einst verlieh, ist in „Wonka“ noch überhaupt nichts zu sehen.

Nichtsdestotrotz erweist sich Chalamet als gute Wahl, da er alleine durch seine Ausstrahlung immer wieder für charmante Momente sorgt und in den leisen, eher traurigen Szenen, dann auch wieder seinen typischen Blick aufsetzen und sein Talent zur Schau stellen kann. Um ihn herum finden sich allerhand bekannte Gesichter, bei denen viele (Rowan Atkinson oder Matt Lucas) aber viel zu wenig screentime bekommen. Es wirkt beinahe so als ob diese bewusst besetzt wurden um auch ältere Semester anzusprechen, einige der Rollen wirken allerdings verschenkt – um nicht zu sagen unnötig.

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Der größte Blickfang im Ensemble ist, wenig überraschend, mal wieder Olivia Colman, die als eine der Antagonisten agiert und sichtlich Spaß an ihrer Rolle hat. Der irre Blick, wilde Gestiken und eine gewisse Sprunghaftigkeit in der Gemütslage sorgen für die schauspielerischen Highlights, die der sehr gleichmäßig verlaufenden Geschichte zumindest einige Glanzlichter bescheren. Das alles mag kritischer klingen als es letztlich ist, denn im Endeffekt bietet „Wonka“ genau das, was zu erwarten war: Einen herzlichen Familienfilm, der ohne große Umschweife eine zuckersüße und harmlose Story auf die Leinwand / die Bildschirme zaubert.

Fazit

Oompa Loompa didelida, braucht es wirklich einen neuen Willy Wonka? Vermutlich nicht, und doch bringt „Wonka“ mit seinen tollen Kulissen und aufwendigen Kostümen Kinderaugen zum Leuchten und Herzen zum Schmelzen. Sonderlich viel lernen wir leider nicht über den zaubernden Chocolatier, mit viel Liebe zum Detail verzaubert das Prequel aber Jung und Alt. Ein Film zur richtigen Zeit, der jedoch den wenigsten bis nach Weihnachten in Erinnerung bleibt.

Bewertung

Bewertung: 6 von 10.

(63/100)

„Wonka“ – ab 22. Dezember 2025 auf Netflix.

Bilder: ©Warner Bros.