Tim Allen ist zurück: Auf Disney+ läuft seit 8. Juli 2026 Staffel 2 von „Shifting Gears“, und zwar alle 13 neuen Folgen auf einmal. In den USA war Staffel 1 ein großer Erfolg und ein Nachfolger wurde bald bestätigt. Doch können die neuen Episoden an die Vorgänger anknüpfen, die bei aller Altmodigkeit doch solide Sitcom-Unterhaltung mit Nostalgie-Feeling lieferten?

Serien-Kritik von Christian Klosz

Staffel 2 von „Shifting Gears“ setzt auf Altbewährtes, offenbart aber Probleme

In der 2. Staffel von „Shifting Gears“ versucht Matt Parker (Tim Allen) weiterhin, das Familienleben mit seiner Tochter Riley (Kat Dennings) und den beiden Enkelkindern mit seiner Arbeit in der von ihm geführten Oldtimer-Werkstatt in Einklang zu bringen. Riley gewinnt nach der Trennung von ihrem Ex und dem Einzug bei Papa Matt zunehmend Selbstvertrauen und stellt sich den Herausforderungen als Mutter, während sie gleichzeitig selbst ein unternehmerisches Projekt startet. Auch eine neue Beziehung steht ins Haus. Matt geht ebenfalls die erste Beziehung nach dem Tod seiner Frau ein, ausgerechnet mit der selbstbewussten Eve (Jenna Elfman).

Das seit jeher angespannte Vater-Tochter-Verhältnis zwischen Matt und Riley entwickelt sich weiter: Alte Konflikte werden aufgearbeitet, Missverständnisse geklärt und beide lernen, einander besser zu verständigen. Denn trotz vieler Reibereien steht am Ende immer wieder der Zusammenhalt der Familie im Mittelpunkt.

Die Tim Allen-Formel

„Shifting Gears“ Staffel 2 folgt – wie schon die 1. Staffel – über weite Strecken einer ähnlichen Formel wie Tim Allens Erfolgsserien „Hör mal, wer da hämmert“ und „Last Man Standing“: Der Protagonist ist ein altmodischer Kerl, der zwar das Herz am rechten Fleck hat, aber mit seinem Habitus und seinen Ansichten in der „guten alten Zeit“ verhaftet ist. Seine Mitmenschen, vor allem die Frauen in seiner Familie, konfrontieren ihn jedoch mit „neuen Realitäten“, die ihn seine Gewohnheiten hinterfragen lassen. Als besondere Referenz an frühere Erfolge dürfen mit Patricia Richardson, Richard Karn und Debbe Dunning gleich 3 Co-Stars aus „Hör mal, wer da hämmert…“ in Gastrollen auftreten (in Folge 1).

In den neuen Folgen, vor allem in der ersten Hälfte der Staffel 2 von „Shifting Gears“, entwickeln sich die Charaktere langsam weiter: Riley hat genug von ihrem Rezeptionistinnen-Job und versucht sich als Coffee-Truck-Besitzerin. Dabei lernt sie einen Mann kennen, mit dem sie erst eine Affäre und dann eine Beziehung beginnt. Im Hintergrund ploppt dabei immer wieder ihre besondere Verbindung mit Gabe (Seann William Scott) auf, einem Mitarbeiter ihres Vaters, den sie von Kindheit an kennt, und die Frage, ob da nicht mehr als reine Freundschaft ist.

Auch Einzelgänger Matt lässt sich auf eine neue Person in seinem Leben ein, was dem verschlossenen Sturkopf, der immer noch um seine Frau trauert, natürlich nicht leicht fällt. Mit der forschen und selbtbewussten Eve trifft er da aber genau die Richtige: Sie schafft es immer wieder, Matt und seine Ansichten herauszufordern. Und der lässt sich darauf ein. Er macht also eine langsame, aber doch merkbare Entwicklung durch.

Schlechte Drehbuchentscheidungen

Während also die ersten 6,7 Episoden der 2. Staffel von „Shifting Gears“ weitgehend an den Ton und die Themen aus Staffel 1 anknüpfen und weiterentwickeln, wirken die restlichen Folgen und diverse Drehbuchentscheidungen fragwürdig: Der Ablauf der Handlung passt nicht immer zusammen, es fehlt der rote Faden. Auch ist unverständlich, warum die sympathische und für die Serie wertvolle Figur Eve unerwartet aus dem Fokus verschwindet (sie geht „beruflich ins Ausland“, womit auch ihre Beziehung zu Matt endet). Plötzlich taucht dann noch ein Bruder von Riley auf, von dem vorher nie die Rede gewesen war. Die zuvor etablierte und weitgehend funktionierende Figurenkonstellation wird so unnötig aus der Balance gebracht.

Unangenehm ist auch der Ton, den die letzten 1, 2 Folgen anschlagen: Die Figur Matt Parker wurde zuvor als konservativer und altmodischer, aber lernfähiger und -williger Typ gezeichnet. Er reibt sich an progressiver denkenden Charakteren – meiste wibliche wie Riley und Eve – und in dieser Reibung, in den Konflikten, aber auch im Finden von Kompromissen liegt die Dynamik von „Shifting Gears“. Eine Anbiederung an Trumps MAGA-Bewegung, die in ihrer völligen Absenz jeglicher Werte klassischem Konservativismus entgegensteht, konnte man nicht feststellen. Parker repräsentierte am ehesten den „old school conservative“, der über Trumps amoralische, korrupte und asozialen Politik die Nase rümpfen würde.

Annäherung ans Trumpiversum?

Gegen Ende der 2. Staffel gelingt diese nötige, kritische Distanz nicht mehr durchgängig. Parker tut einige fragwürdige Sprüche, die die Figur in die Nähe der MAGA-Koalition rücken. Das kann Zufall sein. Oder Absicht ist, um Trump-affines Publikum zu ködern. Dieses shifting tone tut „Shifting Gears“ nicht gut. Und in Kombi mit dem chaotischen Verlauf der 2. Staffelhälfte bleibt ein mauer Nachgeschmack.

shifting gears kritik

Fazit

„Shifting Gears“ Staffel 2 kann in ihrer Gesamtheit nicht an den Vorgänger anschließen. Die war zwar bei weitem kein Meisterstück, bot aber altmodische und sympathische cozy Sitcom-Unterhaltung mit Nostalgiefaktor. Schade.

Bewertung

Bewertung: 5 von 10.

(46/100)

„Shifting Gears“ Staffel 2: Seit 8.7.2026 bei Disney+.

Weitere Infos zur Serie bei IMDb.

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Bild: (c) ABC / Disney+