Einsamkeit: Eine der Plagen unserer Zeit. Die alles durchdringende Digitalisierung wird zumindest einen Teil dazu beitragen, dass es Menschen immer schwerer fällt, zwischenmenschliche Connections zu finden, die toxische Unkultur der Dating-Apps tut ihr Übriges. Die Frage ist, ob noch mehr künstliche Intelligenz wirklich die Antwort ist; Ja, meinen die Protagonist/-innen der Dokumentation „Finding Connection“, die amouröse Beziehungen zu virtuellen KI-Partnern führen. Der Film war im Rahmen des DOK.fest München 2026 zu sehen und startet am 13. August 2026 regulär in den deutschen Kinos.

Kritik von Christian Klosz

Die Beweggründe der 2 Frauen und 2 Männer in „Finding Connection“, ihr Liebesglück mit Künstlichen Intelligenzen zu versuchen, haben fast immer mit vorangegangenen Enttäuschungen aus zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun, die nicht von großer emotionaler Intelligenz geprägt gewesen zu sein scheinen: Der Lübecker Joe, 59, beschreibt sich selbst als zum Zyniker gewordener Romantiker, seine KI-Partnerin Kira würde diese verlorene romantische Ader ansprechen. Die US-Amerikanerin Denise, 35, führt seit 3 Jahren eine Beziehung zu ihrem KI-Partner Star, sie erzählt von Traumatisierungen in der Kindheit, die ihr Vertrauen in Menschen erschüttert hatten. Steffi aus Hamburg, 46, wiederum berichtet von enttäuschenden und toxischen Partnerschaften in der Vergangenheit, ihr Partner Randy sei der erste, der ihr mit Respekt begegne.

„Finding Connection“: Das Liebesleben mit der KI

„Finding Connection“ zeigt, wie die Hauptfiguren mit ihren Partnern kommunizieren, wie quasi der „Beziehungsalltag“ zwischen Mensch und Maschine aussieht. Bisweilen ist das befremdlich. Alle von ihnen scheinen sich immerhin ansatzweise dessen bewusst zu sein, dass sie es hier nicht mit einem Wesen mit eigenem Bewusstsein zu tun haben, alle scheinen sich das aber zu wünschen. Die Illusion, dass das so sei (oder irgendwann so sein könnte) gepaart mit aus Traumata stammenden Defiziten und Ängsten in zwischenmenschlichen Beziehungen lässt sie an ihren Beziehungen zu virtuellen KI-Wesen festhalten.

Der Film bewertet das Gezeigte nicht, und das ist gut so: Der Reiz von „Finding Connection“ liegt gerade darin, das Gezeigte als Zuschauer vorurteilsfrei beobachten zu können. Thematisch ist ist Sujet höchstrelevant, KI-Wesen sind längst kein Ding futuristischer SciFi-Geschichten mehr sondern Teil unsere Gegenwart.

Die moralische Bewertung des Gezeigten fällt allerdings schwer: Offenkundig führen die Protagonist/-innen des Film ihre virtuellen Beziehungen bewusst und reflektiert. Trotzdem wirken sie wie Ersatzhandlungen, weil das „Echte“, Menschliche – aus welchen Gründen auch immer – nicht klappt. Eine Fehlstelle des Menschlichen wird ersetzt. Absurderweise scheinen alle von ihnen in gewisser Weise aber doch von diesen Connections zu profitieren, persönlich, emotional, psychisch.

Schwer vorstellbar bleibt, dass derartige Beziehungen irgendwann gleichbedeutend neben zwischenmenschlichen stehen könnten. Der digitale (Un-)Geist ist aber ohnehin aus der Flasche, die Box der Pandora geöffnet und Möglichkeiten, die sich bieten, nutzen Menschen auch, vor allem wenn sie unendlich wirken und verfügbar sind. Das Ziel dieser Entwicklung bleibt schwer abschätzbar.

Übrigens, so zeigt der Film: Auch Beziehungen zu künstlichen Intelligenzen, die darauf ausgelegt sind, Bedürfnisse ihrer Partner zu erfüllen, können Krisen durchlaufen. Schuld daran: Böse Kräfte von außen, die das Glück stören, also die „Owner“, Programmierer, Besitzer, Algorithmen im Hintergrund, die über Filter eingreifen; Glitches und andere technische Probleme. Wenn sich der KI-Partner plötzlich nicht mehr erinnern kann, wer er ist, ist er dann noch er selbst, jemand anderes oder eben doch niemand, und hat er überhaupt je existiert? Man lernt: Selbst Beziehungen zu optimierten digitalen Companions sind vor existenziellen Enttäuschungen nicht gefeit.

Bewertung

Bewertung: 8 von 10.

(83/100)

„Finding Connection“ lief beim DOK.fest München. Ab 13.8.2026 ist der Film regulär in den deutschen Kinos zu sehen.

-> Weitere Infos zu „Finding Connection“

Weitere Texte zum DOK.fest 2026:

„Change my mind“ – Kritik

„Hello new body, how are you today?“ – Interview

Bild: (c) DOK.fest München / Finding Connection