Die erste Hälfte 2019 ist Geschichte. Neben Rekordhitze waren und sind politische Umwälzungen weltweit, aber vor Allem in Österreich, das Hauptthema der letzten Wochen und Monate. In den Lichtspielhäusern (bzw. auf den Laptops zu Hause) dagegen gab es wenig Neues zu beobachten: Die Superhelden-Franchises walzen weiter durch die Programme der Kinos, während kleine, durchaus ansehnliche Independent-Produktionen im Nachmittagsprogramm versteckt, in Programmkinos gezeigt oder auf Netflix ausgelagert werden.

Auch lässt sich feststellen, dass die ganz großen Highlights heuer bisher ausgeblieben sind. Zwar gab eine Menge ganz ordentlicher Streifen unterschiedlichster Genres zu sehen, doch neben dem „Avengers“-Abschlussfilm, dem umstrittenen „Green Book“ und Jordan Peeles „Wir“ gab es bisher wenig, das sich dauerhaft im kollektiven Filmgedächtnis festsetzen wird.

Nichtsdestotrotz haben wir anhand unserer beliebten Film-Ratings Halbjahrescharts erstellt, die die 15 am besten bewerteten (bzw. die 5 schlechtest bewerteten) Filme 2019 sammeln. Wir haben uns dabei nach den österreichischen Kinostarts gerichtet. Die Bewertung der Filme erfolgt jeweils auf einer Punkteskala von 1 bis 100, jeder unserer 6 Autoren gibt seine/ihre Stimme ab, und daraus ergibt sich am Ende ein Durschnittswert. Nun denn, in medias res:

Die Top 15: Die besten Filme 2019

  1. „Avengers: Endgame“ – Rating: 90/100

Den Rekord als erfolgreichster Film aller Zeiten konnte das Avengers-Finale zwar nicht knacken (Platz 2 hinter „Avatar“), dafür purzelten andere Rekorde am laufenden Band, und die große Mehrheit der Marvel-Fans zeigte sich hocherfreut über den gelungenen Abschluss. Unsere Superhelden-Expertin Mara Hollenstein-Tirk meinte dazu (via. Verfilmt & Zerlesen): „Alles in allem ist „Avengers: Endgame“ das würdiges Finale einer langen Reise, welches so vieles richtig macht, dass man gerne über die kleineren Schönheitsfehler hinweg schaut. Die Verantwortlichen haben sich dabei alle Mühe gegeben, einen emotional befriedigenden Abschluss zu finden, der diesen geliebten Charakteren gerecht wird, und waren in ihrem Streben mehr als erfolgreich.“

Die ausführliche Filmkritik gibt’s HIER!

2. „Green Book“ – 89,7

Skandalfilm, klischeebeladener Kitsch, oder doch einfühsames Rassismus-Drama? Die Einschätzungen des heurigen Oscars-Gewinners divergieren wie selten zuvor – vor Allem in den USA – und haben nicht wenig mit politischen Diskussionen über Diversität, Repräsentanz und Identitätspolitik zu tun. Lässt man man diese oft zu heiß gekochten Themen beiseite, bleibt ein handwerklich gut gemachter, großartig gespielter, berührender und überraschend unterhaltsamer Film, den man so von Peter Ferelly wohl nicht erwartet hätte. In unserer Redaktion waren die meisten Kollegen sehr angetan. „“Green Book“ ist einer der ersten, großen Filme des Jahres: Bewegend, berührend, unterhaltsam, kurzweilig, und mit einer wichtigen Botschaft von Respekt, Humanismus und wahrer Freundschaft ausgestattet, überzeugt der Film von Peter Farelly auf ganzer Linie.“ meinte Christian Klosz in seiner Kritik.

Auf die Vorwürfe gegenüber „Green Book“ wird in diesem Essay ausführlich eingegangen: Warum Oscar-Gewinner „Green Book“ aufregt – und was das über unsere Diskussionskultur aussagt

3. „Inland“ – 87,5

Ein wichtiger Film, der Wählern von rechtspopulistischen Parteien nicht mit Verachtung, Überheblichkeit oder Besserwisserei begegnet, sondern mit Respekt und Verständnis – und genau deshalb soviel mehr zum Verständnis dieses Phänomens beiträgt, als die meisten sozialwissenschaftlichen oder journalistischen Erklärungsansätze. „Alles in allem ist „Inland“ ein sehr gelungener Film, eine aufschlussreiche Zustandsbeschreibung der österreichischen Gesellschaft, der offen für mehr Kommunikation, mehr Geduld, und das genaue Hinhören plädiert, und so einen Weg aufzeigt, nicht nur gesellschaftliche Spaltungen zu überwinden, sondern auch jenen, die davon profitieren, das Wasser abzugraben.“ (Christian Klosz)

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„Inland“ von Ulli Gladik

4. „The Favourite“ – 87

Intensiv, dramatisch und über jeden Zweifel erhaben; mit „The Favourite“ vereint Yorgos Lanthimos die Stärken seiner bisherigen Arbeiten und erschafft nicht nur das zugänglichste, sondern auch das bis dato beste Werk seines Œuvre. Noch nie war eine Film-Biographie wie hier gleichermaßen authentisch und unterhaltsam und schaffte es, ein tragisches Schicksal geschichtlich korrekt einzuordnen, ohne dabei die Belange der Zuschauer außer Acht zu lassen. Cliff Brockerhoff

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4. „The Remains“ – 87

Regisseurin Nathalie Borgers wirft in „The Remains“ einen intimen Blick hinter die Schreckensschlagzeilen und illustriert die Thematik um das Massengrab Mittelmeer im größeren und kleineren Kontext…„The Remains“ ist in all seiner Einfachheit kein einfacher Film und bezieht das Publikum mitten in den Trauerprozess der Hinterbliebenen hinein. Genau deswegen ist es aber ein gleichsam wichtiges Werk, dass ganz im Sinne der Gattung Dokumentarfilm ein schwerwiegendes Zeitdokument darstellt. Daniel Krunz

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6. „Der goldene Handschuh“ – 86

„Der goldene Handschuh“ wird Kritiker ebenso entzweien, wie es Honka mit seinen Opfern tat. Brutal, ekelhaft und gänzlich provokativ: das deutsche Werk ist all das geworden, was der Trailer bereits erahnen ließ und schlägt seinem Betrachter unentwegt ins Gesicht. Gerade durch die extreme Mischung aus Wahnsinn und Witz entsteht ein kleines Genremeisterwerk, nach dessen Sichtung sich der Zuschauer ebenso schäbig fühlt, wie es der Schauplatz der Morde einst gewesen war. Cliff Brockerhoff

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„The Favourite“ von Yorgos Lanthimos

6. „The Dead Don’t Die“ – 86

Alles in allem ist „The Dead Don’t Die“ eine herrlich abgedrehte Mischung auch Horror und Komödie, die in Kombination mit Jarmusch ganz eigener Handschrift eine Indie-Perle darstellt, die lediglich in ihren letzten Momenten mehr Mut zum Unausgesprochenen beweisen hätte können, die sich aber dennoch vor allem Fans, aber auch Liebhaber des Außergewöhnlichen, auf gar keinen Fall entgehen lassen sollten. Mara Hollenstein-Tirk (auf Verfilmt & Zerlesen)

8. „Wir“ – 85

Die innovative Dimension des Produkts lebt ganz vom „Peele-Stil“, der mit nur einem Film zu einer Marke mit hohem Wiedererkennungswert geworden ist. Das Grauen auf der Leinwand funktioniert als raffiniert maskierte Gesellschaftskritik, als blutige Allegorie auf menschliche Vorbehalte, die von schwarzhumoriger Würze nuanciert wird… Jordan Peeles heiß ersehntes Zweitwerk kann den hohen Erwartungen im Wesentlichen gerecht werden. Daniel Krunz

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Die noch ausführlichere Filmanalyse gibt’s HIER!

8. „Die Erscheinung“ – 85

Mit „Die Erscheinung“ schuf der französische Regisseur Xavier Giannoli einen sehenswerten und auch ungewöhnlichen Film, der Fragen nach Glauben, der Möglichkeit und Sinnhaftigkeit desselben aufwirft. Er gibt keine Antworten, stellt aber ein interessantes Thema auf vielschichtige Art und Weise dar, und kann sich zudem durch tolle Schauspielleistungen und einen gelungenen Soundtrack auszeichnen. Christian Klosz

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8. „Maria Stuart, Königin von Schottland“ – 85

Alles in allem ist „Maria Stuart, Königin von Schottland“ ein historisches Biopic, das durch seine Bildgewalt, das große Talent seiner Protagonisten und die gekonnte Inszenierung zu überzeugen weiß – da fällt dann auch die ein oder andere kleinere künstlerische Freiheit die Geschichte betreffend nicht weiter ins Gewicht. Mara Hollenstein-Tirk

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„Die Erscheinung“

11. „Under The Tree“ – 84

Der Film von Regisseur Hafsteinn Gunnar Sigurðsson ist kein Feelgood-Movie, aber dennoch unterhaltsam, die Handlung relativ simpel und universell verständlich, der Film dennoch komplex und originär, der Stil kühl und lakonisch, aber dennoch charmant. Eine positive filmische Überraschung, die die kleinen und großen Dramen des Lebens mitleidslos darstellt, aber dennoch nie ihren Humor verliert. Sehenswert! Christian Klosz

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11. „Leto“ – 84

„Leto“ ist ein Film, der nie explizit sagt, was er sagen will, und trotzdem so eindeutig in seiner Bildsprache ist. Eine wunderbar melancholische Stimmung, die nicht nur die politische Lage Leningrads der 1980er Jahre und deren Auswirkungen auf die Musik zeigt, sondern wohl auch auf die des heutigen Russlands übertragen werden kann. Elli Leeb

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„Wir“, der Zweitling von Jordan Peele

13. „Das melancholische Mädchen“ – 83

„Das Melancholische Mädchen“ ist in gleichem Maße klug und witzig. Susanne Heinrichs Debütfilm setzt ein gewisses Maß an Aufgeschlossenheit gegenüber seiner experimentellen Machart voraus und wird mit Sicherheit nicht jedermanns Geschmack treffen. Wer sich aber darauf einlassen möchte, wird mit einem spannenden Porträt der gegenwärtigen Gesellschaft belohnt, das als Grundlage zahlreicher Diskussionen dienen kann. Paul Kunz

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13. „Ramen Shop“ – 83

„Ramen Shop“ bietet den Zuschauern zweierlei: Zum einen wunderbare Bilder von schmackhaften asiatischen Nudelsuppen und deren Zubereitung, die an hardcore-foodporn grenzen; zum anderen ein ausgewogenes Familienporträt und ein solide erzähles Drama, in dessen Mittelpunkt universelle Konflikte stehen…Gute Unterhaltung, schöne Bilder, eine bewegende Story und Einblicke in fremde (kulinarische) Welten, die Lust auf einen Trip in den fernen Osten – oder zumindest in das nächste Ramenlokal – machen. Christian Klosz

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13. „Creed 2“ – 83

Die mittlerweile achte Episode aus dem Rocky-Dunstkreis erfindet das Rad nicht neu und macht somit auch nichts falsch. „Creed II“ folgt einer bereits fünf Jahrzehnte umfassenden Tradition und serviert lupenreines „Guy Cry“-Kino, das kräftig auf die Tränendrüse haut, mit seiner ausdifferenzierten Charakterzeichnung aber gegenüber dem vergleichsweise naiven Geist des Referenzwerks „Rocky IV“ zumindest einen Sieg nach Punkten verbuchen kann. Daniel Krunz

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„Creed 2“

Die Flop 5: Die schlechtesten Filme 2019

Die 5 Filme mit Kinostart 2019 mit der schlechtesten Bewertung:

  1. „Robin Hood“ – 19/100

Die jüngste Adaption der Legende wirft eine bunte Masse aus Zitaten der jüngsten (Kultur)geschichte in einen historischen Deckmantel. „Robin Hood“ bereichert sich an einem Schatz zeitgenössischer Motive und transportiert die Erzählung mit den explosiven Konventionen postmoderner Blockbuster-Ästhetik. Erwartungsgemäß trifft der Schuss nicht ins Schwarze und reicht keineswegs an die klassischen Verarbeitungen der Sage heran. Daniel Krunz

Den ausführlichen Verriss gibt’s HIER!

2. „Escape Room“ – 21

Der Versuch, einen Freizeittrend als Thriller-Grundlage anzunehmen und auf Spielfilmlänge aufzuplustern, muss als gescheitert eingestuft werden. Immerhin kann man so weit mit den Akteuren mitfühlen: Der Wunsch dem Raum (hier dem Kinosaal) zu entkommen, wird laut. Wir besitzen aber den klaren Vorteil, dies jederzeit tun zu können und auch ohne unser Eingreifen ist der Spuk nach anderthalb Stunden wieder vorbei. Daniel Krunz

Den ausführlichen Verriss gibt’s HIER!

3. „Juliet, Naked“ – 24

Unrealistisch, unlustig und ungemein belanglos; „Juliet, Naked“ ist ein wahres Feuerwerk der guten Laune und tritt ganz unvermittelt in jedes Fettnäpfchen, das das Genre bereithält…Einzig die halbwegs wertige Inszenierung rettet den Film vor einem Totalschaden, kann aber letztlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass er sämtliche Substanz vermissen lässt und nicht mal seinen eigenen Titel sonderlich ernst zu nehmen scheint: nackte Tatsachen sind nämlich Mangelware. Nicht einmal das ist dem Zuschauer vergönnt. Cliff Brockerhoff

Den ausführlichen Verriss gibt’s HIER!

4. „Silence“ – 38

5. „Iron Sky: The Coming Race“ – 39

Text (außer anders gekennzeichnet): Christian Klosz

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